Die Dimension des Irrsinns

Wir mögen Zahlen, und haben oft den Eindruck, mit Zahlen die Welt besser einschätzen zu können.

Wir wissen, über Lesbos sind 2015 über 450’000 Flüchtende „illegal“ eingewandert. Mit dieser Zahl können wir uns ausmalen, was dies für die kleine Insel Lesbos und das grosse Europa bedeuten könnte.

Wir sehen Bilder von Flüchtlingen, die heil auf Lesbos angekommen sind, viele davon mit einem Schrecken im Kopf, der so schnell nicht verblasst und mit einem gebrochenen Lächeln im Gesicht … als sichtbarer Ausdruck dafür, dass das wohl Gefährlichste überstanden ist.

Wir hier auf Lesbos können nicht mehr vergessen, jene einzelnen Gesichter der puren Verzweiflung derjenigen, die ein Familienmitglied vermissen oder auf der  unsäglich unnötigen Seeüberquerung verloren haben. > Siehe dazu „Stop it – Safe Passage!„.

Zahlen und Gesichter.
Können wir damit auch die Dimension des Irrsinns verstehen?

Folgende Bildstrecke – ohne Zahlen und Gesichter – macht vielleicht nachvollziehbarer, wovon wir hier sprechen.

An der Küste von Lesbos liegen noch tausende, abertausende Gummiboote und hunderte von Schifffracks. Jedes dieser Boote brachte Dutzende Menschen übers Meer. Tagsüber oder im Dunkeln, in ruhigem Wasser oder bei stürmischer See, mit wenigen Kindern oder in Booten, wo die Kinder und Babys die Hälfte und mehr ausmachen. Was um Gottes Willen treibt Mütter und Väter dazu, sich mit ihren Kindern auf so ein gefährliches Unterfangen einzulassen und in ein überfülltes Gummiboot zu steigen? Was zwingt Mütter und Väter in diesen Irrsinn?

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Bei den folgenden Bildern von den an der Nordküste von Lesbos bislang eingesammelten und in einer Deponie versenkten und aufgetürmten Schwimmwesten versuche man sich einmal vorzustellen, dass in jeder dieser Westen ein Mensch mit Wünschen, Gestaltungskraft und der Vision auf ein unversehrtes Leben steckte, ein Mensch aber auch begleitet von der – berechtigten – Angst, niemals heil auf der anderen Seite des Wassers anzukommen.

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In der Zwischenzeit versuchen die Schengenstaaten zusammen mit dem Staat Türkei nach Erdogans Gnaden die noch ausserhalb des Schengenraums befindlichen Flüchtlinge in einer „Zwischenablage“ wegzustellen und dort wissend wohl zunehmend wegzudenken … bildlich gesprochen letztlich einfach in der Türkei ausserhalb des eigenen Verantwortungsbereichs zu „deponieren“.

 

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