Refugee or not? – Hoffnungsträger?

Es herrschen in europäischen Landen einschliesslich der Schweiz einige Stereotypen vor, um welche Art von Flüchtlingen es sich handelt, die kommen beziehungsweise nicht kommen sollen: „Junge Männer!“ Daraus wird in gewissen bösartigen Kreisen schnell: „Junge faule Männer!“ In der Steigerung an Bösartigkeit gar: „Junge Männer, die über unsere Frauen herfallen.“

Was für Bilder das sind, was für Projektionen da geschaffen werden, um am Stammtisch zu gefallen oder politischen Gewinn daraus zu erzielen!

Ich habe einen dieser jungen Männer fotografiert: > siehe Artikelfoto. Wir wissen, Bilder können täuschen, und jene in unseren Köpfen. Dieser vermummte Mann, dessen Bild in manch einem Kopf Vorurteile oder Gedanken der Angst auslösen könnte, heisst VASILIS. Er stammt aus Brasilien, ist Grieche und Teil des griechischen Safeguard-Teams an der Limantziki-Coast.

Limantschiki_web
Limantziki-Coast zwischen Molivos und Eftalou: die windgepeitschte Basis der griechischen Rettungsschwimmer, die hier einen 24-Stunden-Dienst aufrecht halten.

Lifeguard_web

„Lifeguard Hellas“ besteht aus jungen Kerlen – auch „tough girls“ wie JOSY (siehe „The Responsibles„) –, topfite, freiwille Rettungsschwimmer einer sieben- bis zehnköpfigen Truppe, die ungefähr zwei Wochen bleiben, bis sie abgelöst werden, um dann wiederzukommen. „Jungs“, die zwischendurch ihre Arbeit und ihr griechisch-bürgerliches Leben unterbrechen, und unter harten, immer kälteren Bedingungen ins Meer springen, um die Flüchtlinge heil ans Land zu holen. Manchmal bis zur körperlichen Erschöpfung, manchmal – bei grösster Not wie letzten Mittwoch, 16.12.2015, „Stop it – Safe Passage“ – bleiben sie solange im Wasser, dass sie selbst wegen massiver Unterkühlung in ärztliche Behandlung müssen.

Zwei weitere dieser höchst sympatischen, bescheidenen, waghalsigen „Jungs“ sind ISIDOROS und PANOS.

Isidoros_web
ISIDOROS
Panos_web
PANOS

Junge Menschen helfen zumeist jungen Menschen auf der Flucht. Es kann sein, dass ältere Frauen unter den Flüchtenden sich befinden. Doch die Mehrheit besteht aus jungen Familien mit Babys, Kleinkindern oder Jugendlichen. Ja, es stimmt, es sind auch junge männliche Menschen, die sich auf die Flucht begeben. Ohne Perspektiven in ihrer zerbombten Heimat, die die unter Angst lebenden und von IS- oder Staatsterroristen (Syrien, Russland, Iran, Saudi-Arabien, … ) unterdrückten Daheimgebliebenen versorgen sollten.

Es sind also auch junge, unbegleitete Teenies und junge Männer, die teils noch mehr Buben wären, wenn sie der Krieg und die Flucht davor nicht längst zu Männern gemacht haben. Sie sind die Hoffnung nicht nur ihrer Eltern, sondern – wenn man das Palavern und Ausweichen lässt und stattdessen die Integration ernst nimmt und konsequent darin investiert – auch Hoffnungsträger der alternden Gesellschaften ihrer neuen europäischen Heimat. 

Wenn JOSY als Halb-Philippinin oder VASILIS als Brasil-Grieche sich ohne Zögern in die Fluten werfen, um Leben fremder Menschen zu retten, was spricht dagegen, dass die neuen Einwanderer nicht auch Wagemut und Gestaltungskraft mitbringen, die die westlichen Gesellschaften brauchen und diese stützen?

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Refugee or not? – Hoffnungsträger?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s