Enlightened Korakas – Mehr Licht, mehr Sicherheit

[Artikelfoto: Neue, einfachste Lichtinstallation zur Beleuchtung der Westflanke, die hoch führt zum Lighthouse Korakas am nordöstlichsten Zipfel von Lesbos. Die Ausrüstung dafür war das ‚Weihnachtsgeschenk‘ des „Swisscross.help“-Teams für die Korakas-Volunteers.]

Mit MARCUS (SWE) aus MATT Llewellins Nordost-Freiwilligenteam diskutierte ich vor Tagen, wie schön diese Wildheit der Küste um das Lighthouse Korakas ist … besser: WÄRE, wenn nicht vom ersten Moment des Kennenlernens dieser Ort zum Inbegriff für das Flüchten übers Wasser und der damit verbundenen Gefahren war. Ich kam vor knapp drei Wochen erstmals dorthin, war sprachlos von der Dimension der Schwimmwesten und Gummiboote, die noch an den Steinen und Felden hingen, war erschüttert von der Dramatik der ersten Ankunft eines mit Flüchtenden gefüllten Fischerbootes (siehe „Bootsalarm – Happy (?) Landing„).

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Lighthouse Korakas

Korakas: Ein schöner, wilder Ort. Das „Finisterra“ von Lesbos. Wer das Wilde und Schroffe mag, kann sich leicht in diesen Ort verlieben. Nun, im Jahr 2015, geht das nicht. Es ist wie eine schöne Statue, die unter der Erde liegt, überlagert von Staub, Schmutz und Abraum der Zivilisation. So ist auch Korakas: überlagert vom Schmutz eines kollektiven Migrationsirrtums.

An diesem Ort arbeiten MATTs Leute. Den Nachtdienst übernehmen die Leute der NGO „Lighthouse“, manchmal begleitet durch Leute aus Partner-NGO’s. Gehaust wird in sheltern, die man behelfsmässig ausgebaut und in denen regensichere Zwischendecken eingebaut wurden. Das Team um Abraham Heran – ABE (USA) – und das „Swisscross.help“-Team um MICHAEL Räber unterstützen deren Arbeit mit Material, Infrastruktur, Bootsrettungen und Küstenräumen (siehe „Die transatlantische Union der Freiwilligen„).

 

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Letztlich grenzt es fast an ein Wunder, dass auf Korakas – dank all der Teams und der einfachen Infrastruktur vor Ort – noch kein tödlicher Unfall geschah. Wieviel Einsatz, Risikobereitschaft und Glück es dazu zwischendurch brauchte, zeigen die Ereignisse vom 23.12.2015, als ein Boot 30-40 Meter vor der Küste kenterte: „The most dramatic moment in my life!“ Korakas kann dann zu einer Erfahrung hart am Limit werden. Jenen damals im Einsatz gestandenen Rettern sitzt der Schrecken von diesem Morgen noch heute im Nacken.

Für den Tagesbetrieb beim Lighthouse gilt die Regel, dass wenn möglich alle Flüchtlingsboote von der Stein- und Felsküste um Korakas fernzuhalten sind, durch Benachrichtigung der spanischen Rettungsschwimmer von „Proactiva Open Arms“ und deren Eskorte nach Skala Sikaminea, wo die flachen Ufer warten.

Im Dunkeln ist diese meist sehr gut funktionierende Lösung nicht / nur ausnahmsweise möglich. So kommt es vor, dass immer wieder Flüchtlingsboote die Landspitze bei Korakas ansteuern, angelockt durch den Leuchtturm. Damit sich die Situation für jene im Dunkeln anlandenden Boote verbessert, wurde mit Unterstützung des „Swisscross.help“-Teams eine neue Beleuchtung eingerichtet. Kommt ein Boot an – und erst dann – wird die unmittelbare Küste und die Aufstiege zum Leuchtturm mit der Energie aus einem Generator beleuchtet. Über die Weihnachtstage haben die Korakas-Teams dies umgesetzt. So ist zu hoffen, dass die Flüchtling nicht nur sicherer anladen können, dann wenn es nicht zu vermeiden ist, sondern dass sie auch einen gefahrloseren Aufstieg zum Leuchtturm und den sheltern zu bekommen.

Es gibt zwar einen behördlichen Leuchtturmverantwortlichen, der zwischendurch mit etwas argwöhnischem Blick „zum Rechten schaut“ und verdächtig viele Fotos schiesst. Die Rettungsarbeit, den Unterhalt der Tag- und Nachtdienste sowie der Infrastruktur liegt zu 100% in der Verantwortung der Freiwilligen aus allen Herren Ländern.

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Zur Beleuchtung des östlichen Aufstiegs.
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Dem Leuchtturm vorgelagert: Die Ausleuchtung des zentralen Bereichs der kleinen, zur Türkei hingerichteten Landspitze. In Hintergrund sind noch nicht weggeräumte Gummiboote früherer Anlandungen erkennbar.

 

 

 

 

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