Happy End! – Symbolik einer Strickkappe

[Artikelfoto: TINU Räber stülpt MUSTAPHA eine Strickkappe über den Kopf, eine Kappe mit Symbolkraft. Mehr dazu im folgenden Text.]

Wir von „Swisscross.help“-Team waren in der Nacht und im Morgen des 30. Dezembers 2015 an der Küste beim Flughafen Mitillini unterwegs. (Siehe Artikel „ICECOLD – Tragödie ohne Limit?“). Bei der dritten Bootsankunft diesen Morgen kam es zu einer speziellen Begegnung: TINU Räber, der Vater von MICHAEL, kümmerte sich um einen jungen Bootsflüchtling. Er kleidete ihn sozusagen neu ein.

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Mir fielen die zwei auf. Und dann überrascht mich TINU. Er reisst sich seine Kappe vom Kopf und …

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… und stülpt sie dem jungen Mann über dessen Kopf. Einen Moment bin ich perplex über das Gesehene.

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Später sprechen TINU und ich über die Begebenheit mit der Kappe. Er erzählt, das sei ihm wichtig gewesen, sozusagen eine Mission. Seine Schwiegertochter RAHEL, die Frau von MICHAEL, habe ihn aufgetragen, diese Kappe – eine von mehreren – bedürftigen Flüchtlingen zu überreichen. Es seien Strickkappen, handgefertigt von einer mehr als 70-jährigen Dame aus Beatenberg (BE): VIVIENNE Herzog. Sie strickte die Kappen zusammen mit Migranten in der Schweiz, als Teil der Integration und Sprachaneignung. Von Migranten für Migranten. So schliesst sich der Kreis.

Wie wichtig TINU diese simple Geste war, erfahre ich, als ich ihm erzählte, dass ich ihn mit dem jungen Mann nicht nur beobachtete, sondern die Zwei auch fotografierte. Ich zeige ihm im Kameradisplay die Aufnahmen, und er, der stattliche Berner Bär, ist total gerührt. Es ist kalt um uns herum, doch sein Gesicht glüht. Jetzt sei seine ‚Mission‘ auch noch festgehalten. Seine Freude ist riesig. Alle Strapazen, auch jene, die auf der Seele aufliegen, sind für einen Moment vergessen.

Und noch nicht gut genug, mit dem Happy End zum Jahresend: Der Mann, den TINU einkleidete und mit der Kappe mit dem Herzlogo beglückte, war ausgerechnet MUSTAPHA, jener Mann vom Flüchtlingsboot, der mit ALI in Finnland, „ZIKO“ an der Küste und MICHAEL in Athen übers Online-Chat Kontakt hatte und seinen Leuten auf dem Boot kommunizieren konnte, dass man sie erwartet, auf festem Boden in Griechenland (Siehe Artikel „ICECOLD – Tragödie ohne Limit?“).

So schliessen sich hier auf Lesbos – neben all der Tragödien – immer wieder ermutigende Geschichten: Geschichten des Respekts und der Zuwendung, Geschichten der gegenseitigen Zuneigung, gar Geschichten von neuen Freundschaften unabhängig ihrer Herkunft – als Kapital fürs kommende neue Jahr 2016 und für die Zukunft, in der die Herkunft als „WELTBÜRGER“ vielleicht wichtiger wird als die Angst vor unbekannten Herkünften, die einem doch letztlich nur etwas fremd erscheinen. 

Eine grosse Portion „Weltbürgertum“ wünsche ich allen Leserinnen und Lesern fürs neue Jahr. Auf dass wir den Mut haben, dazu zu stehen, auch dann, wenn’s Probleme gibt. Denn diese wird es bestimmt geben. Doch Probleme sind nur solange solche, bis sie nicht mehr bejammert, sondern angepackt werden und ernsthaft eine Lösung dafür gesucht wird. 

Deshalb sende ich stellvertretend für diesen Ausblick einen herzhaften Gruss nach Beatenberg, zur ‚Kappenfrau‘.

Thom Held

 

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