Αντιο Νικος – Tschüss Nikos! – Doch es geht weiter, mit der Arbeit, mit dem Blog, auch politisch.

[Artikelfoto: Nikos Sergakis, Molyvos]

In diesem Blogartikel möchte ich gerade nochmals zwei Bestrebungen vereinen, die ich als zusammengehörig erachte:

  1. Ich erzähle Geschichten von vor Ort, um spürbar zu machen, WAS hier passiert, WIE es passiert und was uns dabei durch den Kopf geht.
  2. Ich will, ja ich muss diese Geschichten aber auch immer wieder in einen grösseren Zusammenhang stellen. Erst dann kann vielleicht vermittelt werden, WARUM etwas passiert und WIE man das Negative davon mit einem politischen Engagement angehen kann. Hier Hilfe zu leisten ist selbst bereits auch ein politischer Akt. Die Hintergründe zu beleuchten und gewisse Fehlentwicklung nicht nur anzusprechen, sondern auch ändern zu wollen, ist dann nur noch die logische Fortsetzung der gleichen Grundintention und -motivation.

***

Nikos Sergakis ist nicht nur unser Chauffeur, unser Mann für alle möglichen und unmöglichen Dienste, er ist vor allem zum Freund von uns allen geworden: jenen, die bereits wieder zu Hause sind, jenen die noch auf Lesbos sind, jenen, die wie ich heimkehren.

Eines Tages habe ich plötzlich bemerkt: „Nikos, Du hast ja Ähnlichkeit zu Robert de Niro.“ Er schmunzelt, auf seine unvergleichliche Art und Weise, und erzählt auf seine coole Greco-Art: Wenn man in Molyvos nach Nikos Sergakis frage, würden ihn etwa 30% der Leute kennen. Wer aber nach „Robert de Niro von Molyvos“ frage, würden 100% zur Antwort bekommen: ‚Ja natürlich, den kennt jeder!‘ – So ist Nikos, unser de Niro, unser Niki Lauda (er sei lieber Lauda als Lewis Hamilton), unser Freund.

Hier auf Lesbos humanitären Einsatz zu leisten, bedeutet auch, als Gruppe zu agieren, sich als solche zu bewegen, Material und Hilfsgüter umzusetzen. Vieles Alltägliches und Logistisches fällt an, Nikos steht für alles bereit.

Er hilft aber auch bei vielen persönlichen Unzugänglichkeiten. Ich schliesse mich in den Appartments aus, Nikos hilft mir aus der Patsche. Ich lass den Schlüssel auf der Innenseite meines Appartements stecken, sodass von aussen kein Aufschliessen mehr möglich ist. Nikos findet einen Weg. Oder ich „ruiniere“ mir auf Korakas beim die Küste-von-Gummiboot-Befreien mein linkes Knie, Nikos fährt mich nach Kaloni zum Röntgen und zum Arzt beziehungsweise findet Ersatz, weil beides auf Anhieb nicht klappt. Immer findet er einen Weg, ohne zu Murren. Er grummelt nur, gegenüber seinen Landsleuten. Ihnen zeigt er, dass er nicht nur sehr schnell Auto fährt, sondern auch zackig bedient werden will.

Als ich auf Lesbos ankam und von Nikos vom Flughafen Mitillini nach Molyvos gefahren wude, war das bereits die Reise wert. Siehe „Nikos – Ankunft mit dem Insel-Lewis“. Nun schliess ich meinen Aufenthalt mit einer Privateskorte durch ihn wieder ab.

Wird er wieder seine Thermosflasche mit im Auto haben, wo er sich mehrmals Kaffee nachschenkt, in einen Plastikbecher, angebracht an einem Halter an der Armatur? Wird er wieder nach jedem Schluck ein herzhaftes „Aaaaaaaah!“ ausstossen? Wirklich jedes Mal! Ich war bei jedem neuen Schluck neugierig, ob sich das Ritual wiederholt. Und tatsächlich: „Aaaaaah!“ Ich schmunzle das eine Mal in mich hinein, das nächste Mal mit Blick aus dem Fenster der Beifahrertür, damit er nichts merkt. Er könnte sonst ja damit aufhören.

„Aaaaaah!“ – Danke Nikos! Adieu.

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Adieu sage ich der Insel zwar, nicht aber dem Projekt und der Arbeit. Die Arbeit vor Ort führen MICHAEL Räber und sein Team weiter. Ich werde sie unterstützen, indem ich den Blog weiter führe, dabei auch eine ENGLISCH-Version aufschalten werde. Aber auch, um mitzuhelfen, eine nachhaltige Politik zu erwirken. Denn wie von uns bereits früher und andernorts erklärt, ist das Helfen vor Ort nichts Nachhaltiges – ausser jener Hilfe, die bedürftigen Flüchtlingen direkt zugute gekommen ist und die Menschen nun mit sich tragen.

Wir und viele andere müssen nun vermehrt auch als Citoyenne und Citoyen, als Medienschaffende, als Künstlerin, als Politiker, als, als … darauf hinweisen, dass wir ein menschenwürdiges Asylantrags- und Asylprüfungsverfahren brauchen, das die Menschen nicht in die Illegalität und in die Todesgefahr einer Gummibootsfahrt von der Türkei nach Griechenland zwingt.

WIR ARBEITEN ALSO WEITER VOR ORT + SCHAFFEN AUF EINE POLITIK VON „SAFE PASSAGE – NOW!“ HIN. BEIDES ZUSAMMEN, WEIL NUR DIESE KOMBINATION UNS ETWAS NÄHER AN PROBLEMLÖSUNGSWEGE BRINGT, DIE AUCH DIE GRUNDSÄTZE SAFETY FIRST UND HUMANITY MITEINBEZIEHEN. 

Liebe Leserinnen und Leser, Ihr könnt uns dabei unterstützen, indem Ihr in Euren Kreisen darüber berichtet und Euch in der in der letzen Zeit etwas vergessenen Kultur der Citoyenneté politisch, gesellschaftlich mit engagiert! Wir bedanken uns im Namen der Flüchtlinge und all der Volunteers.

Euer Thom Held

 

 

 

 

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