DIE MACHT DES SINNHAFTEN – Die Geschichte von EURA, der Schönen

[Artikel-Foto: Bildung, Bildung, Bildung! Auch wenn es nur eine Zwischenstation sein soll, sorgen private Organisationen dafür, dass kriegsversehrte Kinder auf der Flucht Zugang zu Bildung bekommen. Sie springen in jene weit offen klaffende Lücke – um nicht Wunde zu sagen –, die die europäischen Staaten und grossen Hilfsorganisationen hinterlassen. Es sind kleine, handlungsagile Organisationen wie „schwizerchrüz.ch“, die in Camps ins Griechenland (auf dem Foto Camp Karamanlis in Sindos) Kinder unterrichten und ihnen Zugang zu Literatur bieten. Ein Tropfen auf einen heissen Stein? Mitnichten! Denn in jenen Momenten springt den Helferinnen und Helfern, den Flüchtenden und auch den europäischen Staaten „die Macht des Sinnhaften“ zur Seite.]

Dieser Text ist der Versuch einer weiteren, dritten Zwischenbilanz – Conclusion III. Es ist schon länger her, seit dem Wagnis von Conclusion I (7.1.2016) und Conclusion II (18.1.2016).

Ab wann spricht man von Alarmzeichen? Von Sollbruchstellen? Vom Moment, wo die „Rote Linie“ erreicht ist? Etwa dann, wenn als Folge von Krieg und der allgemeinen „Flüchtlingspolitik“ Millionen (!) von Kindern angrenzend an Europa und innerhalb von Europa versehrt vom Krieg, ohne Bildung und ohne ausreichende Einbettung in offene soziale Gefüge aufwachsen müssen? Oder spätestens dann, wenn Abertausende Kinder verschwunden sind, untergetaucht, verschleppt, versklavt? Oder womöglich gar nie, weil das eigene System – die Nation, die Familie, das Individuum – bereits zuviel Energie abverlangt?

Mit Blick auf die letzten zwölf oder fünfzehn Monate, auf die innere Zerrüttung von Europa stellt sich immer wieder die Frage:
Wie konnte es nur soweit kommen?
Und geht es nun im ähnlichen Stil weiter?
Wird der Kontinent unabhängig vom Leid der Kinder vollständig zur „Festung Europa“ umgebaut?
Oder naht der Moment, wo jenes Mass erreicht ist, dass man sich zu einem markanten Korrektiv bekennt?

Wenn sich Millionen von Menschen auf die Flucht vor Krieg, Terror und Unterdrückung begeben, geht es wohlverstanden nicht nur um Kinder. Wie jedoch eine Generation eines Kontinents mit seinen Kindern oder mit jenen, die in einer Notsituation um Einlass ersuchen, umgeht, ist wohl jene Messlatte, die man beim Thema „Menschen auf der Flucht“ am wenigsten weder wegdenken noch wegreden kann. Kaum jemand würde bestreiten, dass diese Kinder unsere gemeinsame Zukunft sind. Im Guten wie im weniger Guten.

Prominent anders formuliert: „Ich habe gelernt, dass ich am besten für meine Töchter sorgen kann, indem ich mich auch um die Töchter und Söhne anderer Menschen kümmere“ (Obama [1]).

[Hinweis: Um zu den Quellenhinweisen zu gelangen, diese anklicken und dann wieder zurückklicken [leider funktioniert dieses Zurückspringen noch nicht!], oder dann aufgelistet ganz am Schluss des Artikels.]

Die Töchter und Söhne in Griechenland:

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Folgende Geschichte erzählt vom Erblühen, vom Erblassen, vom Schlingern von Eura.
Auch von Mächten und Gegenmächten.
Vom gerade Geschehenen bis zum heutigen Tag.
Aber auch über diesen hinweg. Denn über eine Macht wird heutzutage vielleicht gedacht, jedoch kaum darüber gesprochen, ja auf dramatische Weise viel zu oft ungenutzt liegen gelassen:

Es ist DIE MACHT DES SINNHAFTEN. [2]
Dabei ist sie die wohl stärkste aller von Menschen bestimmbaren Mächte.

Bevor von ihr die Rede sein soll, dann wenn „Eura, die Schöne, sich frei macht“, ladet die Geschichte nochmals ein, etwas ausführlicher durch das seit 2015 Geschehene hindurchzuwandern, um gewisse Aspekte nochmals in ihrer Parallelität und in ihren Zusammenhängen anzusehen. Dann ist es Zeit zu erörtern, wie sich die „Macht des Sinnhaften“ entfalten kann. Wer dies nicht möchte, springt direkt zu Teil 3.

[Warnhinweis: Erschrecken Sie nicht darüber, jedoch seien Sie vorgewarnt, dass diese Conclusion Ihnen mehr als andere Blog-Artikel abverlangt und sich über mehr als 20 Seiten bzw. 96’000 Zeichen erstreckt.]

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Hinweis: Europa, Länder und „Völker“ werden in diesem Text nicht im Original benannt.

Europa ist geografisch, kulturell, politisch auf vielfältige Art und Weise begründ- und abgrenzbar. Mit dem hier verwendeten Begriff Eura sind ALLE Nationen des geografischen Raums gemeint, östlich begrenzt durch die „Aussengrenzen“ der EU. Russland, Weissrussland, Ukraine, Moldau und die Türkei werden also nicht dazugezählt. Es soll also weniger von der Europäischen Union (EU) und ihrem Handeln alleine die Rede sein. Vielmehr geht es darum, wie Eura als gemeinsamer „europäischer Aufgabenraum“ – moralisch gesprochen als „europäischer Verantwortungsraum“, perspektivisch als „europäischer Möglichkeitsraum“ – zentrale Fragen des Kontinents angeht beziehungsweise alternativ angehen könnte. Klopfen hundertausende Menschen auf der Flucht an den äusseren und inneren Grenzen Euras um Einlass und Schutz an, geht es grundsätzlich um eine gemeinsame humanitäre Verantwortung, schutzbedürftigen Menschen beizustehen. Ob dies auch als gemeinschaftlicher „Aufgabenraum“ wahrgenommen werden kann oder soll, soll an dieser Stelle und mehrheitlich auch in diesem Artikel offen bleiben. Zumindest soviel: Der Politikwissenschafter Herfried Münkler weist darauf hin, dass zur Erledigung einzelner Aufgaben, die den Kontinent als Ganzes betreffen, „verschiedene Grade von Bindung und Verpflichtung“ denk- und machbar wären. Er ist dabei nicht alleine, jene sich bietenden „Perspektiven zu ergründen“, wenn man Europa nicht kulturell, sondern „als einen politischen Willensakt“ begründet. So sei ein „modifiziertes“ beziehungsweise „diversifiziertes Europa“ mit einem je nach Aufgabenbereich Mehr oder Weniger an Integration und entsprechend differenzierten Rechten und Pflichten möglich, wenn nicht gar nötig (Münkler [3]).

Länder und „Völker“ werden in diesem Text ebenfalls nicht im Original benannt, und die Autokratien darunter – „Puttland“, „Erdogland“ – als solche kenntlich gemacht. Es ist der Versuch, der helfen könnte, das Thema differenziert nach Demokratien und Autokratien zu behandeln – auch wenn das innerhalb Euras auch nicht mehr so eindeutig geht: die „Magyars“ (Ungarn) leben zunehmend in einem „Orbland“ und die „Pols“ (Polen) in so etwas wie einem „Kaczyńsland“, nach den radikal-dominanten Brüdern Lech (†) und Jaroslaw Kaczyński. Da „Putt“ (Putin) und „Erdog“ (Erdogan) in ihren Schritten und Mitteln sich bereits weiter und unzweifelhaft zu waschechten Autokratien entwickelt haben, belass ich es vorerst mit dieser Zuordnung – in der Hoffnung, dass Eura die Ungarn und Polen wieder in ihren demokratischen Schoss zurückzulocken vermag. Der methodische Versuch hilft vielleicht auch, gewisses an den europäischen Werten gemessenen Scheitern etwas weniger national – und eitel? – betroffen zu sehen oder reflexartig auf die anderen zu blicken, die das Fluchtthema noch etwas „fragwürdiger“ behandeln als „wir“. Vielmehr scheint der BLICK AUF EURA ALS GANZES dringlicher denn je.

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Teil 1 – Eura erblüht und erblasst
Teil 2 – Eura wird immer hässlicher gemacht, und machtloser
Teil 3 – Eura, die Schöne, macht sich frei

 

Teil 1 – Eura erblüht und erblasst

Eura war ein etwas hässliches Kind, als sie nicht etwa geboren, sondern geschaffen wurde. Geschaffen aus den Trümmern des Krieges, ja der vielen Kriege zuvor.
Geschaffen von Leadern vorher verfeindeter Natios.
Das begangene, selbst verschuldete Leid war so gross, dass die Natios sagten: Nie wieder!
Dafür erschuf man Eura.
Auch wenn nicht alle in Eura an Eura gleicherart mitmachen wollten.

Viele unter den Natios waren skeptisch. Einige, ja eigentlich alle blieben es bis heute. Eura spürte die Hassliebe, die ihr entgegengebracht wurde. Trotzdem, aus dem hässlichen Kind erwuchs ein hübsches Mädchen. Sie war nicht die Schönste, aber doch so hübsch und trotz des zarten Alters vor allem so schlau, dass die Natios an ihr auch Gefallen fanden, und vor allem noch etwas mehr: Denn dank ihr fand man wieder Frieden untereinander. Und damit liefen die lebenswichtigen Geschäfte wieder an, und wie! Eura war Garantin des Aufschwungs, nicht nur des wirtschaftlichen, sondern auch des zivilisatorischen. Sie machte sich stark für das Prinzip der Freiheit, in deren Dienst die Demokratie – δημοκρατία – steht und als geeignetste Form der freiheitlichen Lebensgestaltung, die die Rechte jedes einzelnen Menschen schützt, angesehen wird. Eura machte sich ebenso stark für solidarisches Denken und Handeln unter den Natios. Diese dachten und denken immer noch vor allem an sich selbst. Und doch verstanden immer mehr Natios, ohne unsere Eura, die uns egoistisch Veranlagten zähmt, geht es nicht. Wie soll man als alleinige Natio gegen die Ameriks oder Chins bestehen, oder gegen terra-umspannende Konzerne wie Goo, App, Fatz, Nestl und so weiter, die die Natios gegeneinander ausspielen, um Milliarden Steuern zu sparen, die dann den Menschen in Eura fehlen? Die Natios wollten nicht nur deren Spielbälle sein, drum pflegten sie mit Hassliebe ihre Eura.

Eura selbst wusste, was sie absicherte – Frieden, Stabilität, Ausgleich, Austausch. Das schaffte Gemeinschaft. Doch Eura wurde sich auch bewusst, dass sie selbst nicht so gut alterte. Die Zeit rannte schneller als sie. Irgendwie fand sie bislang nie so richtig zu einem dynamischen Gleichgewicht, das die wichtigen Entwicklungen erfasste und ausreichend rasch auszubalancieren wusste. Die Natios verhinderten dies. So liess Euras Fitness immer mehr nach.

Das bemerkten die Bürgerinnen und Bürger in den einzelnen Natios. Eura wurde in deren Augen immer blasser gezeichnet. Ihr Versäumnis bis heute: Sie tut zuwenig Gutes dagegen. Sie zögert. Auch weil sie von den Natios immer klein gehalten wird. Denn die Natios denken wieder verstärkter an sich, manche ganz dreist. Der logische Effekt: Sie blockieren sich gegenseitig. Für die daraus entstandenen Fehler gibt’s zum Glück aber immer eine Schuldige: Eura.

So zweifeln bald alle an Eura: Allein schon ihre Blässe im Gesicht ist abschreckend. Eura wird in diesem Spiel der Mächte unsicherer, von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, während die Natios zunehmend den Blick für den anderen verlieren. Sie haben sich auf den Weg gemacht, sich gegenseitig zu verlieren. Ob sie damit etwas gewinnen?

Teil 2 – Eura wird immer hässlicher gemacht, und machtloser

In dieser Phase des sich gegenseitig Verlierens passierte Ungeheuerliches. Der Krieg drang 2015 auf einmal, sozusagen über Nacht, in Terra Eura ein. In jede einzelne Natio. Seit 70 Jahren vermochte Eura den Krieg in ihren Reihen zu verscheuchen, wenn da in den 90ern nicht jener der am Rand befindlichen Balkans gewesen wäre, den es zu stoppen wieder einmal die Ameriks bedurfte.

Trotzdem, das europäische Gefühl war bislang jenes: Die Völker Euras konnten aus Distanz bestürzt sein über das, was Kriege weg von Eura alles mit den dortigen Menschen anstellten. Doch nun wagte es ein Teil dieser Menschen auch auf Euras Territorium. Damit nistete sich der Krieg ungefragt ins Leben der Euranerinnen ein. Die Illusion, den Krieg lebensweltlich auf Distanz zu halten, ist geplatzt. Dieser vor allem seit 2015 stattfinde Zerfall „markiert das Ende der zentralen Lebenslüge einer ganzen europäischen Generation“ (Eilenberger [4]).

Eura und Natios waren sosehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Zeichen am Himmel nicht sahen – oder waren doch ausreichend Frühwarnungen zu vernehmen? –, dass der Krieg in Syr nicht allein dort bleiben würde. Wie schläfern – oder etwa arrogant? – gab sich der alte Kontinent. Und vor alledem, wie unzuverlässlich, unverantwortlich verhielt er sich: Auch Eura und Natios hatten Hilfsgüter für Syrs in den Camps in Syr, Liban und Jord gesprochen. Das UNHCR appellierte Ende 2014 mit aller Dringlichkeit: ‚Bitte, zahlt ein!‘ Das Geld jedoch kam nur zum Teil. – Kein Einzelfall: Im Vorfeld der Offensive gegen den „Islamischen Staat“ in die Stadt Mossul in Irk ab Oktober 2016 beklagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien eine Unterfinanzierung der humanitären Hilfe. Erst ein Drittel des für die Versorgung der Mossul-Vertriebenen nötigen Geldes sei überwiesen. Ende November fehlte immer noch ein Drittel. – Wenn jene, die dem Glaubenssatz von der Hilfe vor Ort in jeder Debatte huldigen, es aber nicht wirklich ernst meinen … muss die UNO dort, wo’s weh tut und keine Kamera zum Parteivolk spricht, die Pro-Kopf-Überlebens-Ration in den Camps halbieren. Heute weiss man: Dieses im Stich gelassen Fühlen war 2014 und 2015 für die Syrs der trigger (Guterres [5]), der letzte Zwick an der Geissel, dass Hunderttausende von ihnen sich Richtung Norden in Bewegung setzten. Und da der Krieg immer brutaler und breitflächiger wütete, flüchteten immer mehr Menschen, direkt aus den Kriegsgebieten.

Denn das Entsetzen der Syrs war gross, und wuchs: das Entsetzen über Ass, über Iss, auch über Erdog, über Ameriks und Sauds, über Putt und Irans. Aus einem im November 2011 begonnenen, zivilen, nicht etwa religiösen Befreiungskampf gegen Ass, hin zu Freiheit und Demokratie, wurde dank Ass zuerst ein Bürgerkrieg, bald ein dreifacher Stellvertreterkrieg in Syr und Irk: Sauds gegen Irans. Putts gegen Ameriks. Erdogs gegen Kurds. Man mixt einen toxischen Cocktail namens Religionskrieg, meint aber Macht. Man spricht von Bürgerkrieg, in Tat und Wahrheit ist es ein Krieg der Strippenzieher. Man ruft einen Krieg gegen den Terrorismus aus, doch noch viel mehr geht es um Geopolitik. Und da auch die Talibs in Afghan weiter wüteten, setzte sich die Zivilbevölkerung aus Syr, Irk und Afghan in Bewegung: Nach Erdogland und von dort in die Arme von Eura.

Ein Ende ist nicht abzusehen. Obams Soft power-Politik – Diplomatie einschliesslich der Kraft von Werten; der bewundernswerte Aussenminister Kerr muss unablässig als soft guy hinhalten – und das „Führen von hinten“, indem man am Boden operierende Rebellen von aussen und aus der Luft unterstützt, ist gescheitert. Die Ameriks sitzen diesen Krieg nun wohl bis zur neuen Präsidentschaft aus. Für die Zeit danach ist nicht wirklich Gutes oder gar Besseres zu erwarten. In diesem Vakuum verschieben Ass und Putts laufend die Hemmschwelle. Konsequenzen haben sie keine zu befürchten. Aleppo, die blühende Stadt Syrs und eine Hauptstadt der islamischen Kultur wird vor den Augen der Weltöffentlichkeit dem Erdboden gleichgemacht. Dabei sind noch 250’000 Menschen, darunter 100’000 Kinder eingekesselt. Des Despoten Ass seine Strategie ist unmissverständlich einfach wie brutal: aushungern und ausbomben. Alles, was lebt, wird weggebombt. Das Ergebnis: Abertausend Ermordete, Ruinenfelder aus Betongerippe. „Das, was ich sah, hab ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen: Das war 2. Weltkrieg. Totale Zerstörung.“ (Todenhöfer [6]). Die Menschen, die noch leben, seien müde, auch die Rebellen. Das mache Hoffnung auf Friedensbemühungen, sagte Todenhöfer Mitte September 2016. Tags darauf wird während des Waffenstillstands ein humanitärer Konvoi der UN beschossen. 20 Helfer sterben. Humanitäre Hilfe, ob nun von der UN oder beispielsweise der Ärzte ohne Grenzen (MSF), wird somit nicht nur politisiert und als Spielball der Mächte zu instrumentalisieren versucht, sondern wird auch zum Angriffsziel. Je weniger Nothilfe, umso grösser die Not, desto eher eine Kapitulation. Der besonnene UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verweigert darauf vor versammelter UN-Gemeinde jegliche Diplomatie: „Die Helfer, die dort lebensrettende Güter lieferten, waren Helden. Diejenigen, die sie bombardierten, waren Feiglinge. […] Mächtige Schutzherren, die die Kriegsmaschine weiter füttern, haben auch Blut an ihren Händen.“ [7] So etwas finden die Putts „nicht konstruktiv“ (Peskow [8]). „Konstruktiv“, das heisst im Interesse von Puttland, ist nicht etwa weniger, sondern noch mehr Gewalt. Noch härter. Noch brutaler. „Die Bomben prasseln wie Regen aus den Flugzeugen“ (MSF [9]). Der Aussenminister der Dütschs, der dritte grosse Diplomat neben Kerr und Ban, hat ebenfalls genug und entlarvt das Böse: „Wer Terroristen bekämpfen will, greift keine Krankenhäuser an“ (Steinmeier [10]) … wie die Truppen von Ass und Putt. – So wie Syr ein Massengrab ist, so ist es die einst leuchtende Handelsstadt Aleppo. Von „Auslöschung“, von „Vernichtung“, vom „Ende der Humanität“ ist die Rede (SPIEGEL ONLINE [11]). Es herrsche „Entgrenzung“ (Steinmeier). Die UNO schreit in die Welt, Aleppo stehe davor, ein „gigantischer Friedhof“ zu werden. Später wird man dies wohl als Völkermord einstufen, ein Mord am Volk der Syr, verübt von Vertretern der Regionalmächte sowie einer Möchtegern-Weltmacht und der letzten verbliebenen Weltmacht, moderativ ‚begleitet‘ durch wenige Natios von Eura. Zu einem anerkannten Völkermord wird es wohl eher nie gereichen, da zuviele Parteien zu ihm direkt oder indirekt beigetragen haben. Doch was wirklich zählt, ist, dass bald eine halbe Million Menschen umgebracht und Millionen in die Flucht geschlagen wurden, davon an die 7 Millionen über die Grenze von Syr hinaus. – Demgegenüber ist unter den abseits Stehenden weiterhin von „Obergrenzen“ die Rede, kombiniert damit, dass man keine weiteren Flüchtenden wolle, vielmehr dass „man“ die Fluchtgründe bekämpfen müsse. Auch dies ist eine Form von Entgrenzung.

Welch gigantischer Schmerz: Internationales Recht wurde ausgesetzt. Stattdessen entfesselte Mächte ohne Grenzen. Um die 450’000 wurden in Syr ermordet, nicht wenige auf barbarische, ja bestialische Weise. Hunderttausende körperlich verstümmelt, seelisch gebrochen. Millionen in die Flucht getrieben.

Die Welt ist empört. Gleichzeitig sind grosse Teile davon direkt oder indirekt mit Syr und Putt verstrickt. Verstrickungen, die zur vollständigen Kapitulation geführt haben. Die Lehrlinge des Teufels wissen das, und lassen vor der womöglich finalen Gewaltorgie über Aleppo Flugblätter mit so wahrem wie zynischem Inhalt abwerfen. Die Himmelsbotschaft: „Wenn ihr die Gebiete nicht sofort verlässt, werdet ihr vernichtet. Ihr wisst, dass euch alle aufgegeben haben.“

Und für jene, die sich so lange vor der Flucht vor Aleppo wehrten und sich im Unklaren, was der Diktator Ass letztlich mit ihnen anstellt, ergeben, werden von den bombenwerfenden russischen Einheiten mit Versorgungspaketen ausgerüstet, auf denen für die Kameras hergerichtet steht: „Russia is with you.“

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Menschen auf der Flucht:
Zu Menschen, die in die Flucht geschlagen werden, sagt man fast beiläufig und routiniert „Flüchtlinge“(*). Beginnt nicht bereits durch den Gebrauch dieses Wortes ein problematischer Umgang mit Menschen auf der Flucht? Es tönt wie „Findlinge“. Verlorene Massen, ohne Gesicht. Und hat es Gutes zu bedeuten, wenn Menschen zu „-lingen“ werden? Und so kommt es: Man spricht nicht von Frauen, nicht von Kindern und nicht von Männern aus Syr auf der Flucht vor dem durch Putt unterstützten Staatsterror durch Ass. Nicht von den Familien der Yezids auf der Flucht vor dem Genozid durch die Möchtegern-Kalifs vom Iss. Nicht von den Irks auf der Flucht vor dem Terror der Talibs. Man spricht von „Flüchtlingen“ und denkt immer öfters eher an Engerlinge als an Menschen.

Engerlinge fressen die guten Wurzeln weg. Deshalb gelten sie als Schädlinge. Wenn man in die Natios in und um Eura hineinhört, wie man über Menschen auf der Flucht vor Krieg, Terror und Unterdrückung spricht, wird’s viel zu häufig viel zu hässlich, gar hasserfüllt, zumindest wirkt es abstrakt, diffus, distanziert, selbstbezogen. Man spricht von „Flüchtlingen“, nicht von Menschen, von denen die meisten Schutz bedürfen. Menschen, die Namen tragen wie Mária, Madlen, Nassim, Kinan, Salea, Helean, Kaze, Abdullah, Derin, Jinan, Tahsinn, Zidra, Shawa, Mohamed, Obay, Achmed, Zina, Salwa, Braah, Dilvi, Dlovan, Ramì, Lara, Halima, Wafa, Vian, Rohane und viele andere mehr. Menschen, die Geschichten mit sich bringen, und ein Leben … als Handwerker, als Lehrer, Ingenieure, Musiker, Händler, Koch, Hotelier, als Studentinnen, Chauffeure, Wissenschafter, Literatinnen, als lebenssüchtige Jugendliche und Kinder, alles, was das Leben ausmacht.

(*) Hinweis: Dieser Blog war ursprünglich mit „Flüchtlinge-Lesbos“ übertitelt. Als ich diesen im Dezember 2015 begann, war mir auch noch nicht bewusst, wie ungeeignet dieser Begriff ist. Der Blog-Titel ist geändert, doch aus technischen Gründen ist die Webadresse weiterhin unzupassend. Ich entschuldige mich.

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Weltweit sind aktuell 60 Millionen Menschen auf der Flucht. 20 Millionen Kinder. Der Grossteil bleibt in weniger entwickelten Ländern. Eura nahm 2015 – die meisten contre coeur – etwas mehr als 1.2-1.4 Million auf: weniger als 0.2% der Bevölkerung. Eura atmet bei dieser Mengenverhältnissen schon mal durch – es könnten ja viel mehr sein! – und fragt sich womöglich im Stillen und etwas beschämt: ‚Macht uns unsere Selbstbezogenheit blind fürs Ganze?‘ Ausländische Ressourcen haben ihre Natios ohne Zögern, auch zu Spottpreisen, genommen, auch von jenen instabilen Regierungen, die die Menschen nun immer mehr in die Flucht treiben. So nimmt man die Ressourcen, die Menschen auf der Flucht lieber nicht. Darin stecken durchaus auch nachvollziehbare Logiken. Eura kann nicht alle aus Afrik, dem Nahen und ferneren Osten in die Flucht Getriebenen permanent aufnehmen. Da bräuchte es schon neue Denk- und Handlungsmodelle. Nur, geht das aktuell gewählte Setting der „Abschottung“ auf? Langfristig? Nehmen und nur zögerlich geben? Sich nur zögerlich ins Geschehen und dessen Besserung einbringen? Wo ist der umfassendere Blick? Wo die bedingungslose Bereitschaft, unschuldigen Menschen in Not zu helfen? Ein christlich-religiöser Mensch fragt sich wohl zurecht, versuchen wir das „Menschenmögliche“, das den christlichen Grundsätzen von Mitmenschlichkeit entspräche? Ein Agnostiker, der es mehr mit Säkularität und Verfassungsgebot hat, fragt sich eher, ob wir sowohl als staatstragende Citoyens als auch als Institutionensetzkasten das uns Mögliche ausschöpfen. Denn: Wo ist das entschieden sich Einbringen, um die Fluchtgründe nicht verbal, sondern signifikant spürbar zu bekämpfen? Lieber mit den absolutistischen Monarchen der Sauds, die einen islamistischen Fundamentalismus fördern und mit ihrem Wahhabismus als Vorbild des Iss dienen, geschäften, gar Waffen liefern und mit dem absoluten Emir von Katr Fussball austragen, während diese den Krieg in Syr mit Geld und Waffen anfeuern und verlängern? Wie soll das aufgehen?

Eura und ihre Natios sind überfordert. Es ging zu schnell. Vor allem auch deshalb, weil man es längere Zeit nicht wirklich wahrhaben wollte, was vor Euras Toren geschah. 2015 ging man noch frohgestimmt in die Sommerferien; man hatte sich ja auch daran gewöhnt, die Verantwortung an die Schengen-Ränder, in diesem Fall an die Itals und Grecs abzugeben: „Auch ich habe mich lange Zeit gerne auf das Dublin-Verfahren [seit 1997 in Kraft] verlassen, das uns Dütschs – einfach gesprochen – das Problem abgenommen hat. Das war nicht gut“ (Merkel [12]). Es war tatsächlich nicht gut. Als man aus den Ferien zurückkam, kam’s zum Kollaps. Unter der Last der Nicht-Solidarität zwischen den Natios Euras brachen die Grecs zusammen. Die offenen Grenzen innerhalb Euras, an denen auf Zeit wieder Kontrollen eingerichtet wurden, gaben nach: Wie wenn zwei Kontinentalplatten sich solange aneinander festhaken, bis der Druck zu gross wird, und es zur „Entspannung“ kommt.

Seitdem ist Eura weiss Gott nicht entspannt. Die Natios zerren aneinander, „die mangelnde Lastenteilung in Europa“ (SZ [13]) spitzt sich weiter zu. Schwarzpeterspiel.

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Ein Bild wie das Zerren der Europäischen Nationen an den Leinen der Macht bzw. jener der organisierten Unverantwortlichkeit. – Fotografiert im Camp Frakapor in Sindos, bei Thessaloniki. „Stillleben“ des zermürbenden und entwürdigenden Ausharrens über Monate, ohne dass sich etwas bewegt, ohne dass man etwas hört, ohne, ohne, ohne…

So sagt Orb, der Magyar, der die Meinungsfreiheit einschränkt, um selbst besser gehört zu werden, Worte wie „Migration ist Gift“. Bekommt er in Dütsch Kritik ab, findet dies der Bayr Stoib, ehemals Bundesminister, „kleinkariert“. Solcherlei Kritik sei Ausdruck von „mangelndem Respekt vor demokratisch gewählten Regierungen“, meint die CSU als Partei (SZ [14]). So agieren aktuell Parteien, die einmal so etwas wie Wertkonservatismus als Markenzeichen trugen. Ihr Freund Orb – „Seehofer und Orbán feiern eine ‚in Europa einzigartige Waffenbrüderschaft'“ schreibt die Süddeutsche Zeitung – verbreitet dessen ungeachtet nach Tramp’scher Manier Unwahrheiten, die viel über seine Gesinnung und seine Vorstellung von Demokratie erzählen, wie etwa dieses: 1.5 Millionen Flüchtlinge seien nach Dütsch gegangen, die allermeisten junge Männer. Weil diese sich deutsche Frauen nähmen, müssten deutsche Männer nun in ihrer Not Chinesinnen und Taiwanerinnen heiraten, was das Migrationsproblem verdopple (SZ [15]). Eine Art faschistisches Theater vor dem Hintergrund, dass er an „sein“ Stimmvolk Referendums-Fragen stellte wie: „Möchten Sie, dass die Europäische Union den Magyars auch ohne Zustimmung des nationalen Parlaments die Ansiedlung von nicht-magyarischen Bürgern aufzwingen kann?“ Politischen Abweichlern wurde mit finanziellem Liebesentzug gedroht. 98% haben zugestimmt, jedoch nur 40% der Stimmberechtigten. Das Quorum von 50% wurde verpasst, Orb hat verloren, gibt sich aber als Sieger, und will nichtsdestotrotz die Verfassung ändern. Vielleicht ist er ehrlich und lässt reinschreiben: ‚Wir sind zwar Mitglied einer Gemeinschaft, foutieren uns jedoch um das, was eine Gemeinschaft ausmacht.‘ Bereits liess er ganz Eura und die Welt wissen, was er sieben Jahrzehnte nach der systematischen Judenverfolgung von Religionsfreiheit hält: Null Muslim. Null! Der Vollblutsrassist sieht sich dabei als Freiheitskämpfer: „Jetzt schützen wir unsere Freiheit vor einer drohenden Völkerwanderung“ (SZ [16]). Dies geschieht genau 60 Jahre, nachdem über 200’000 Magyars vor dem Totalitarismus der Sovjs nach Westen flohen. Kocht da einer nach einer Rezeptur, wo demokratische Verfahren mit demokratiezerfressenden ‚Zugaben‘ wie Volksverhetzung, Fremdenhass, Begrenzung der Freiheitsrechte und Drohkulissen so sehr versetzt, dass sich der Kontinent noch daran verschlucken könnte? An Ähnliches dürfte der Assel von Lux gedacht haben, als er vorschlug: „Wer wie Magyar Zäune gegen Kriegsflüchtende baut oder wer die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz verletzt, der sollte vorübergehend oder notfalls für immer aus der EU ausgeschlossen werden“ (Asselborn [17]). Der Aufschrei war gross. Warum eigentlich? Müsste man, wenn man von unverrückbaren Werten und Regeln der Union spricht, nicht auch bereit sein, abzugrenzen und Konsequenzen nicht scheuen? Zaudern war schon in früheren Epochen ein Nährmedium für faschistische Polterer.

Und was der Mehrheits-Magyar kann, das scheut auch der Mehrheits-Pol nicht. Im Denken vom gleichen Geiste putschten sie bereits ihr Verfassungsgericht. Ein offener Verrat an Eura. Diese protestiert, untersucht, tadelt …und zahlt 9.4 Milliarden Euro, damit sich die Finanzen etwas ausgleichen und Pol sich ökonomisch und demokratisch (!) entwickeln kann beziehungsweise soll. Trotzdem: Die VisegradsMagyars (+4.6 Mia), Pols, Tschs (+5.7 Mia) und Slovs (+?) – verweigern sich, formulieren für Eura eine neue Solidarität 2.0 und nennen sie „flexible Solidarität“. Sie tönt irgendwie wie Putts „gelenkte Demokratie“, ist aber etwas harmloser. Man denkt, sich aus der Verantwortung für Flüchtende herauskaufen zu können: Die Dütschs sorgen für die Menschen, die Visegrads sorgen für dichte Grenzen. Die Welt verändert sich und die Visegrads können noch ein wenig die Illusion aufrecht erhalten, dass das Weltgeschehen an ihnen vorbeizieht. Ihre durch den 2. Weltkrieg und den Kommunismus „homogenisierten“ Sozialgefüge sollen offensichtlich unvielfältig bleiben, bestehen bleiben sollen aber trotzdem die auf dem Solidargedanken beruhenden Eura-Kohäsionsmilliarden, die hauptsächlich aus dem potenten Vielfaltsland Dütsch kommen. Wer soll das verstehen?

Entsprechend dem Dublin-Abkommen müssen nach dem Blockieren der Balkan-Route und der politischen Wende der Dütschs im Frühling 2016 wieder die Itals und Grecs die Last der nach Eura Kommenden schultern. Das freut – wenn zwar etwas verschämt – auch die Switz: Man kann viele, die nach Dütsch wollen, nach Ital zurückschieben. Alles legal.

Seef, der Bayr, redet vom Schutz des christlichen Abendlands und der christlichen Wertegemeinschaft. Diese dann auch zu leben, das obliegt jedoch kirchlichen Institutionen und engagierten Christen, oder Angehörigen anderer Religionen, oder auch Agnostikern und Atheisten.

Eura staunt nicht schlecht, was so passiert. Überall „Hau den Lukas“-Typen. Es ist beliebt, unbeliebt zu sein. Oder es möglichst schnell zu werden.

Wo sind die Leader, die nicht aufhören zu erklären, die Besonnenheit in die Diskussion bringen, die Zusammenhänge aufzeigen, die Zuversicht verströmen? Man spricht von Euras Werten, die bedroht seien. In der Tat: Das Bemühen um Schutz der Würde der Menschen, der Menschenrechte, das Bemühen um Solidarität, Ausgleich, Demokratie, … ist das noch gemeinsame Sache?

Irgendwann ist der Verdacht gross: Es geht nicht um Menschen und Menschenrechte, sondern doch eher um Engerlinge. Doch dann, je länger man hinschaut, beobachtet, zuhört, merkt man, es geht auch nicht wirklich um Engerlinge, nein, vielmehr um Zukunftsangst, darum, dass sich bisherige Gewissheiten verändern. Immer mehr von Euras Bürgerinnen und Bürger, darunter auch Globalisierungsgewinner, ängstigen sich vor dem Abstieg, vor dem Wegfallen liebgewonnener Privilegien, vor dem gefühlten Verlust von Identität. In diese kollektive Gefühlslage springen fast nur die Angstmacher. Der – nur zwischenzeitliche? – Sieg der Angst greift um sich. Doch das Gefühl von Angst einzugestehen und es sorgfältig zu beurteilen, ist schwieriger als kurzerhand jemanden Fremden dafür verantwortlich zu machen. So wird aus Verantwortung Schuldzuweisung.

Kaum ein Leader gibt Einhalt. Im Gegenteil: Was Tramp in den USA mit einer die Bauchgefühle ansprechenden, postfaktischen [18] Politik vormacht, können die etwas kleineren „Trampeltiere“ Euras auch. Man spricht von Engerlingen, meint aber Macht. Und man bekommt Macht. Wieviel noch?

Nun, dessen ungeachtet gibt es immer noch Menschen in Not. Die Not ist konkret. Alltäglich. Und sie wächst. Auch auf Terra Eura. Und doch, unter diesen Flüchtenden gilt die übers Jahr 2016 Gewandelte „M“ immer noch mehrheitlich als „Mamma M“ (Mamma Merkel), weil sie zusammen mit den Ös, als sie schlicht nicht anders konnten, nur für kurze Zeit das Ventil öffnete. Seitdem macht man ihr den Vorwurf, eine „Willkommenspolitik“ zu betreiben. Doch diese gab es nie. Es war am 4. September 2015 ein Akt von Pragmatismus, gepaart mit dem, was Menschen, auch Politikerinnen, zu Menschen macht: Mitgefühl. So liess man für kurze Zeit Flüchtende ohne eigentliche Kontrolle die Grenze passieren. Ansonsten wären die Balkans in sich zusammengefallen. Die ganzen Kohäsionsmilliarden wären auf einen Schlag vernichtet gewesen. Eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Masses wäre die Folge gewesen. Doch kaum hatten sich die Kontinentalplatten etwas entspannt, wurden zuerst im kontrollfreien Eura-Gebiet wieder Grenzkontrollen eingeführt. Die Ös, Slows, Magyars, Serbs und Mazedons spielten daraufhin Domino, und Grec war auf einen Schlag isoliert. Und seitdem stecken rund 50’000 schutzbedürftige Menschen auf der Flucht auf Grecs Festland fest.

Eura hatte bislang wenig beizutragen. Sie schwankte, stammelte, während die Balkans jubelten und lachten. Über „Mamma M“, die gar nicht so mütterlich war, oder wenn, dann eben nur kurzzeitig, um den 4., 5. September 2015 herum. Dann kam in Dütsch Asylpaket I und II. „M“ trieb den „Flüchtlings“-Deal mit Erdog an. Es wurde verschärft, wo man konnte. Wer also schaut, sieht primär eine „Abwehr-, Abschottungskultur“ (von Lucke [19]). Der Bayr Seef redet immer noch vom Kurswechsel, der endlich kommen müsse, der aber bereits seit Monaten eingeführt ist. Warum macht einer wie Seef so etwas? Natürlich, die Hausmacht in Bayr soll auch im Jahr 2017 (Bundestag) und 2018 (Landstag) bestätigt sein. Engerlings-Debatten dienen ja dem Machterhalt. Seef bestätigt letztlich nur die Wut jener, die einer solch unehrlichen Politik misstrauen, dass sie zu immer mehr an die Ränder abwandern. Aber, warum nur berichten auch noch im Herbst 2016 Staatsmedien in Deutschland (ARD) und der Schweiz (SRF) von „Willkommenspolitik„? Tragen die Redakteure den Namen Seef?

Die Reihe der – bewusst? – unreflektierten Worte machen nachdenklich: „Flüchtlinge“, naturgewaltige „Flüchtlingswelle“, „Flüchtlingslawine“, „Flüchtlingskrise“, „muslimische Invasion (Orban [20])“, „Frontstaat“, „Einfallstor“, „Festung“, „Festungslinie“, „Willkommenspolitik“, „Asylchaos“, …

Eine Art „Willkommenskultur“ in den Zivilgesellschaften zu Füssen von Eura gab’s jedoch schon, und es gibt sie immer noch. Ist da eine Kraft sichtbar, die man gemeinhin unterschätzt hat und womöglich das eigentliche Fundament einer an Schönheit gewinnenden Eura sein könnte?

Nun, die noch kreidebleiche Eura und die Natios scheinen dafür noch zuwenig Augen zu haben. Vielmehr sind sie nun bestrebt, Vorkehrungen zu treffen, dass das, was im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016 geschah, eine einmalige Episode gewesen sein soll. Der Preis dafür ist hoch. – Der Versuch einer Zwischenbilanz der Politik von Eura, mit dem Ausgangspunkt Syr:

  • Eura bestellt, Erdogs liefern“ (nach Räber [21]): In Syr selbst sind 8’500’000 auf Nahrungshilfe angewiesen, um zu überleben. Täglich werden es mehr. Die Versorgungslage ist prekär, manchmal kaum oder nicht mehr möglich, wie etwa im Vernichtungskriegs um Aleppo. Hunger, Obdachlosigkeit und Massenmord treibt weitere Syrs in die Flucht. Doch wer aus Syr flüchten will, kommt nicht mehr über die Grenze ins Erdogland. Die Betonmauer zwischen Erdogland und Syr – drei Meter hoch, mehrere hundert Kilometer lang, von Grenzsoldaten streng bewacht – ist bald fertig. Wie SPIEGEL ONLINE, gestützt auf zahlreiche Zeugenberichte von der Grenze zwischen Syr und Erdogland, berichtet, „hat sich diese Grenze in einen Todesstreifen verwandelt.“ [22] Es gilt Schiessbefehl wie in der ehemaligen DDR. Die Armee der Erdogs wiegelt ab und spricht von Warnschüssen. Augenzeugen berichten, dass die Soldaten der Erdogs inzwischen auf jeden Flüchtenden schiessen, der sich der Grenze auch nur nähere. Wer es mithilfe von Schleppern trotzdem schafft und jenseits der Grenze geschnappt wird, werde geschlagen, ausgeraubt und zurück über die Grenze gekarrt. SPIEGEL ONLINE vom 30.11.2016: „Die Bundesregierung behauptet, der Türkei-Deal habe die Flüchtlingskrise eingedämmt. In Wahrheit hat sich die Krise nur verlagert. Jenen Wall, den Bundeskanzlerin Angela Merkel an der deutschen Grenze unter keinen Umständen haben wollte, hat der türkische Präsident an der Grenze zu Syr […] Die Menschen sterben nun nicht mehr [weniger!] in der Ägäis, wo die Zahl der Bootsüberfahren nach Grec nach Abschluss des Deals zurückgegangen ist. Sie sterben an der türkisch-syrischen Grenze.“ Und weiter: „Die Europäer tolerieren die Menschenrechtsverletzungen an der syrisch-türkischen Grenze. Weder die Bundesregierung noch die EU-Kommission haben sich für die Aufklärung der Schüsse eingesetzt. Kanzlerin Merkel setzt darauf, dass Erdogan die Flüchtende von Europa fernhält – egal mit welchen Mitteln.“
  • Was der Zivilbevölkerung im Norden von Syr bleibt, ist irgendwo und irgendwie zwischen Mauer, Bombenhagel und Mörderbanden auszuharren. Können wir uns das vorstellen? Und dazu kommt noch das Gefühl, mit der unverschuldeten Not allein gelassen zu werden. Dazu nochmals ein Augenzeugenbericht einer syrischen Frau gemäss Recherche von SPIEGEL ONLINE: Wie solle sie die Familie ernähren, wo ihr Ehemann und ihr ältester Sohn tot sind. Sie wolle die Mörder ihres [an der Grenze erschossenen] Sohnes zur Rechenschaft ziehen. Doch sie habe niemanden, an den sie sich wenden könnte. „Sie schüttelt den Kopf: ‚Wer interessiert sich schon für uns?'“
  • Eura bestellt, Erdogs liefern“: Es ist zu bedenken, dass von den 3 bis 3.5 Millionen Syrs in Erdogland ein grösserer Teil nur geduldete „Obdachlose“ sind. So nüchtern, distanziert und harmlos dies tönt, so hart und verzweifelt ist die Situation zuweilen dort. Der griechische Helfer ACHILLES M. Peklaris in Diensten der privaten Helfer von „schwizerchrüz.ch“ zitiert einen Flüchtenden im Erdogland, in Torbali südlich von Izmir, wo nach Schätzungen von Hilfsorganisationen fast 200’000 Flüchtende feststecken: „We want to go back to Syria and to die there“. [23] Ähnliches berichtet der SPIEGEL ONLINE [24], exemplarisch dargestellt am Syrer Ibrahim Enes: „Irgendwann, so hoffte er, würde er als gelernter Schreiner eine dauerhafte Anstellung finden.“ Doch dies geschehe nicht. „Anders als von der EU erhofft, hat sich die Lage der meisten Flüchtenden, die in der Türkei leben, nicht verbessert. Für viele ist sie seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli noch schlechter geworden.“ SPIEGEL ONLINE zitiert Enes mit den Worten: Für Syrer sei es in der Türkei so gut wie unmöglich, Arbeit zu finden. „Ich will nur noch eines: raus aus der Türkei.“ Zurück nach Syrien, um zu sterben oder vorwärts nach Europa, mit der Hoffnung auf ein neues Leben? – Wer nun dazu neigt zu glauben, dass Erdog seine Drohungen, den Deal mit der EU eher früher als später platzen zu lassen, nicht wahrmacht, muss ein grosser Optimist sein. Erdog ist dünnhäutig – ähnlich einem Tramp – und ein Rächer-Typ, wie seine politischen Säuberungen in seinem Erdogland Sollte er von Eura nicht das Gewünschte – den EU-Beitritt, zumindest die Visa-Freiheit – bekommen, wird er sich nicht ohne Reaktion von Eura abwenden. Auch wenn er nur die aktuellen Repressionen der Sicherheitskräfte gegenüber Flüchtenden etwas zurückschrauben und die Grenzen damit etwas durchlässiger machen sollte, um wieder mehr Druck aufzusetzen, wird das für Eura, vor allem für Grec Konsequenzen haben. Sicher ist bereits, dass man dann zwar noch mehr vom Mantra der verstärkten Sicherung der Aussengrenzen zu hören bekommen wird, aber letztlich wird dabei die Problematik nur noch verstärkter nach Grec ausgelagert, wie es SPIEGEL ONLINE mutmasst. Was spricht gegen diese Annahme? Somit ginge es im verschärften Ton und Tun weiter: Noch mehr Militarisierung der Grenzen. Noch mehr Repression. Noch mehr Grec in die Knie zwingen.
  • Ein weitere Mal „Eura bestellt, Erdogs liefern“: Ein kleiner Rest an Bootsflüchtlingen schafft es auch heute vom Erdogland auf Grecs Alle weiteren Fluchtversuche aus dem Erdogland wurden und werden unterbunden. Auch in diesen Fällen gelang dies oft nur mit brachialer Gewalt: Die Küstenwache der Erdogs schlägt mit langen Stangen von Beibooten aus auf jene, die den Motor der Fluchtboote bedienen. Mit diesen Schlägen würden die Boote fahruntüchtig gemacht. Das erwies sich als effektivstes Mittel fürs Retournieren im Auftrag Euras (Räber [25]).
  • Immerhin schaffen es dessen ungeachtet soviele auf die Ägäisinseln, dass die Camps dort wieder um das Doppelte (!) ihrer eigentlichen Kapazität gefüllt sind. Denn per Stichdatum 20. März 2016 darf gemäss EU-Erdogland-Deal niemand mehr von den Inseln aufs Festland überführt werden. Über 15’000 sind es inzwischen. Das führt auf Samos, Lesbos oder Chios zu unhaltbaren Zuständen und auch zu Protesten dagegen. – Zustände, die sich im Camp Souda auf Chios noch dramatisch verschlechterten, als vor Tagen Anhänger der Neonazi-Gruppierung „Goldener Morgenröte“ mit Brandbomben und Gesteinsbrocken Anschläge aufs Camp verübten. Im Vorfeld wurde vor mangelnder Sicherheitsvorkehrungen gewarnt. Als es dann soweit kam, schaute die Polizei weg, oder war nach Augenzeugenberichten (AYS) mehr darum besorgt, dass es zu keinen Übergriffen der bedrohten Flüchtenden auf die Neonazis kam.
  • Auch gilt: „Eura bestellt, Bulgars liefern“, indem die Grenzpolizei und die schlagenden Bürgerwehren, die sich selbst zu „Flüchtlingsjägern“ ernannt haben, auch die terrestrische Grenze zum Erdogland mit Gewalt sichern. Das Schreckensszenario, dass Bulgar neben Grec zum zweiten Einfallstor in Eura für Flüchtende werden könnte, konnte bis dato abgewehrt werden. „Der Geist von Bratislava“ (Merkel [26]) ging grosszügig darüber hinweg, dass damit das Problem noch nicht gelöst ist. Nicht nur das, er ermöglichte mit zusätzlichen Eura-Geldern, dass Bulgar als – Zitat – „Frontstaat“ (Batschwarowa [27]) zusammen mit der mit 320 Millionen Euro und mit 1’500 permanenten Grenzbeamten aufgepeppten „europäischen Grenz- und Küstenwache“, ehemals „Frontex“, Euras Abschottung vollziehen kann. Denn der Winter nahte, und man hatte in Eura die Befürchtung, dass Flüchtende aus Erdogland vermehrt den direkten Weg übers Land Richtung Bulgar suchen könnten. Dies ist auch folgendermassen zu lesen: Eura und ihre Natios sorgen sich primär um die Undurchdringlichkeit ihrer Grenzen, nicht etwa, dass tausende Menschen in Not elend frieren werden. Was sie nun auch tun. Daraus wird auch deutlich, dass das Bild von „Eura als Festung“ zutrifft. „Bulgar ist für manche so etwas wie die Festungslinie Euras und Erdogland das Glacis, der Wall vor dem Festungsbau, der den Strom der Flüchtenden abhalten soll“ (NZZ [28]). Der Innenkommissar Euras wehrt sich gegen das Bild von Eura als Festung. „Die Türe ist weiterhin für diejenigen offen, die internationalen Schutz brauchen, und für diejenigen geschlossen, die illegal einreisen wollen“ (Avramopoulos [29]). Es fragt sich nur, wie soll man seit längerem „legal“ nach Erdogland, nach Grec, nach Bulgar, nach Ital, nach Espagn einreisen? Wo ist die Pforte für einen legalen Zugang zu Euras Asylsystem? Überall hat es nur noch von Militärs bewachte Mauern, Zäune, oder das mitunter gar von der NATO abgesicherte Mittelmeer.
  • Eura bestellt, Grecs liefern“: Im Elendscamp von Idomeni im Frühjahr 2016 liess man 14’000 Menschenseelen allein im Dreck, im Schlamm, im Hunger, im Kranksein und Krankwerden. Es war politisches Kalkül, die Menschen im Stich zu lassen, damit nicht noch mehr kommen sollen. So sahen Eura und Natios tatenlos zu. Ihre Präsenz beschränkte sich auf eine militarisierte. Auch wenn allein in Idomeni 5’000 Kinder leiden mussten. Das Wohl der Kinder ist also nicht mehr Messlatte des Tuns, es dient als politischer Spielball.
  • Wiederholt „Eura bestellt, Grecs liefern“: Nach der Auflösung von Idomeni wurden die Frauen, Kinder und Männer in Camps auf den Festland verteilt, wo schon andere Camps unter der Führung der Armee der Grecs errichtet wurden. Es wird dafür gesorgt, dass die ca. 50’000 schutzbedürftigen Menschen – abgesehen von einigen tragischen Ausnahmen – überleben können, aber nicht mehr. [Auf diesem Blog wurde schon mehrmals ausführlich über die Situation in den Camps] Es ist ein menschenunwürdiges Ausharren unter zum Teil schreienden Bedingungen: über Monate ohne Informationen, wie’s weiter geht, ohne Zugang zum Rechtswesen, mehrheitlich ohne Zugang zu Bildung oder Arbeit, ohne Perspektiven auf ein selbstbestimmtes Leben. Oft sind es private Organisationen, die mit ihrer Zuwendung und ergänzenden Infrastruktur (Verpflegung, Schule, soziale Infrastruktur) das Überleben überhaupt einigermassen erträglich machen. Aber es kann kein Zustand auf Zeit sein. Nun ist der Winter eingekehrt, und Tausende Menschen in Not müssen nun auch noch 24 Stunden pro Tag bitterlich Kälte erleiden, weil es die Grecs und die Natios von Eura es weiterhin am unbedingten Willen der Problemlösung vermissen lassen. – Wo bleiben nur die Angebote des Resettlements, die dauerhafte Neuansiedlung besonders verletzlicher Flüchtender? Wiederholt fragt man sich spätestens seit Idomeni im März 2016: Dütsch und Switz hätten die Grecs schon längst erlösen können. Dazu bräuchte es nicht einmal die berühmtesten drei Worte von „Mamma M“. Nein. Nur Wille – gespiesen aus menschlicher Anteilnahme | bestrebt, die eigenen Grundwerte aufrechtzuerhalten | bemüht, eine bereits zu lange andauernde Schande zu beseitigen | auch im Wissen, dass einen die „Macht des Sinnhaften“ (s. nächstes Kapitel) zuteil wird. Der Wille von „Mamma M“ reicht noch für 500 pro Monat (6’000 pro Jahr), formuliert anlässlich des Wiener Flüchtlingsgipfel vom 1. Oktober 2016. In diesem Rhythmus ginge es 9 Jahre, bis die 50’000 eine neue Zukunftschance bekämen. Allein über diese Zahl 500 Menschen pro Monat speihten der Ö Kurz und der Magyar Orb Gift und Galle.
  • Und nun will man die „Dublin III“-Regeln auch wieder auf Grec anwenden: Was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und der Europäische Gerichtshof aufgrund der desaströsen Lebensbedingungen in Grec 2011 unterband, die Rückschaffung in Grec registrierter, dann weiter nach Norden gezogener Flüchtender, soll nun wieder eingeführt werden. „Wir haben in Europa viel unternommen, um die Situation in Griechenland zu verbessern“ (de Maizière [30]). So reden in der Verantwortung stehende Minister, die noch nie vor Ort waren. Viele Berichterstattungen zeigen jedoch, wie unzureichend und die Menschenrechte missachtende Verhältnisse noch heute in den Camps in Grec So „gefährlich“ sogar, dass Behörden aus Dütsch vor Einsätzen in Camps wie Moria auf Lesbos abraten. Je nachdem, an wen die Worte gerichtet sind, ist es gleichzeitig „besser“ oder „gefährlich“. Und der Winter wird aufgrund der mangelhaften Wintervorbereitungen aller Voraussicht nach sowohl viel menschliches Leid als auch viel negative Presse zeitigen. Bereits ist in diesen Tagen eine Grossmutter mit ihrem Enkelkind im Camp Moria in Flammen umgekommen, infolge eines Gasunfalls, der auch den elendiglichen Umständen im Camp geschuldet ist. Im Camp auf Samos starb diese Tage ein 45 jähriger infolge ausbleibender medizinischer Unterstützung (AYS [31]).
  • Blicken wir von Grec Richtung Balkan-Route, finden die Verhehrungen Euras Politik im Umgang mit Flüchtenden ihre Fortsetzung: „Eura bestellt, Mazedons liefern“, indem Flüchtende aus Grec, die auf der Seite von Mazedon von Militärs gefasst werden, systematisch und auf brutale Weise niedergeknüppelt und nach Grec zurückgeschafft oder im Camp des Grenzorts Gevgelija festgesetzt werden. Wer mag da genauer hinschauen?
  • Weiter entlang der Balkan-Route: Die Serbs weigern sich, für inzwischen 6’500 bei ihnen festhängende Flüchtende ausreichend Sorge zu tragen. Diese würden sowieso weiter in den Nordwesten wollen. Sie als Serbs seien die Opfer von Eura, und kündigten im September an, ebenfalls ihre Grenzen zu Mazedon und Bulgar ganz zu „verzäunen“. Volunteers (AYS [32]) berichten zudem von systematischen push backs von Flüchtenden aus dem serbischen Presevo nach Mazedon, ohne legales Verfahren. Auch hier: ein Menschen-Monopoly. Die Verzweiflung unter den feststeckenden Flüchtenden ist gross. Statt Mitmenschlichkeit Repression. Statt Perspektive Frieren in der Winterkälte. Für manche ist dies zuviel, wie für jenen 23-jährigen Afghanen: Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die Grenze nach Ungarn oder Kroatien zu überqueren, wurde er am 24.11.2016 in der serbischen Grenzstadt Šid tot aufgefunden: Suizid (AYS [33]). – Es ist weder der erste noch wird es der letzte Selbstmord aus Verzweiflung sein.
  • Oder der Magyar jagt Hunde und Bürgerwehren auf Menschen in Not – „Wie Ameisen sind die“ –, sogar über die Grenzen zu den Serbs. Bilddokumente, die Frauen und Kinder auf der Flucht in Tierkäfigen eingesperrt zeigen, machen nur noch sprachlos. Man stelle sich das vor: Menschen in Not in Tierkäfigen festgehalten! Das wurde von Eura so nicht bestellt. Aber manch einer ist froh um den Abschreckeffekt.
  • So ist Abschreckung denn auch erstes Gebot. Und erster und wichtigster Akt politischen Handelns auf dem Alten Kontinent ist „die Sicherung der Aussengrenzen“, und wenn’s dafür für gewisse Flüchtenden zu spät ist, dann wenigstens der Binnengrenzen. Von Eura, ihren Natios und der Grenzschutzbehörden bekommt man bei dieser Zielsetzung stets sofort das Mantra mitgeliefert: Alle Massnahmen seien den europäischen Menschenrechten verpflichtet. Bei genauerem Hinsehen erweisen sie sich konkret als eine Politik entgegen der eigenen Werte, Konventionen und Menschenrechten. – Es ist vielfach belegt, doch kaum jemand möchte es genau wissen, kaum jemand will darüber sprechen: Euras Aussengrenzen absichern heisst in der Realität, unschuldige und schutzbedürftige Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror niederzuknüppeln. Und zudem, wie dargelegt, gilt im Dienste des EU-Erdogland-Deal an der Grenzen zwischen Syr und Erdogland gar der Schiessbefehl.
  • Eura schafft mit ihrem Katz-und-Maus-Spiel und mit ihrem Hin- und Hergeschiebe nach „Dublin III“ innert Kürze eine neue Klasse von wohl mehr als 200’000 „Obdachlosen“ in Grec (ca. 65’000), Mazedon, Serb, Magyar, Slow, Ital (weit über 100’000), Frank Vor allem jene, die vor Krieg oder Terror flohen, gelten in der Mehrzahl nach Genfer Flüchtlings- und der Europäischen Menschenrechtskonvention als (hochgradig) schutzbedürftig. Ein Schutz, den sie nicht oder nur unzureichend bekommen.

Diese Auflistung zeigt, wie sehr sich Eura mit ihrer Abwehr- und Abschottungspolitik bereits tief in jenem Prozess befindet, sich und ihre Grundwerte und Konventionen zu verraten. Gefährdet sie sich damit nicht selbst? In anderem Zusammenhang – „Trump ist überall“ – fragt die Neue Zürcher Zeitung sowohl sich wie die Leserschaft: „Was macht eigentlich Europa aus?“ [34] Exakt diese Frage müsste dringlich, rasch beantwortet werden. Worauf sich die Folgefrage aufdrängt: Was ist der Plan für die Zukunft?

Weiterhin schutzbedürftige Frauen, Männer und Kinder an der Grenze zurückweisen? Was sagte der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger 1939: „Die Rückweisung der Flüchtenden geht schon aus Erwägungen der Menschlichkeit nicht. Wir müssen viele hereinlassen!“ Er wurde vom Dienst suspendiert und verurteilt, weil er mehrere Hundert jüdische und andere Flüchtende vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung rettete. In den 1990er Jahren, mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod, wurde er vom Kanton St. Gallen und der Schweizerischen Eidgenossenschaft rehabilitiert. „Die juristische Rehabilitation Grüningers durch die „Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg“ (Bergier-Kommission) bedeutete in diesem Fall nicht, wie sonst auch in anderen Fällen, nur die Korrektur eines unsorgfältig gefällten Fehlentscheides eines Gerichts (etwa aufgrund neuer Beweismittel). Vielmehr wurde damit die damalige schweizerische Flüchtendengesetzgebung als unvereinbar mit den Prinzipien eines Rechtsstaates erklärt.“ [35] Inwieweit ist diese Bezugsetzung der historischen und der aktuellen Ereignisse statthaft? Inwieweit vermag sie die Augen zu öffnen, auf das, was aktuell mit welcher rechtlicher Legitimation an den Aussen- und Binnengrenzen von Eura geschieht?

Anders gefragt: Lässt sich Verantwortung outsourcen? Soll sich Eura nach aussen abschotten, um so den angestiegenen Zentrifugalkräften im Innern begegnen zu können? „[…] aber das diesen Zentrifugalkräften zugrundeliegende Problem lässt sich nicht beseitigen, indem man den Grad der Integration vermindert, sondern indem man in vielmehr erhöht, um einheitliche Politik nach aussen zu betreiben“ (Münkler [36]). Was nun? Ist das „Europa als Festung“, das sich in Politiken konkretisiert und in Zäunen und Mauern materialisiert, nun Integrationsstütze oder verflüssigt sich damit eines der zentralen Fundamentsbestandteile Euras: die Achtung und den Schutz der Menschenrechte? Ist nun von einer Integration auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners die Rede oder muss ein neues – in den Worten von Herfried Münkler – „modifiziertes, diversifiziertes Europa“ erst noch ein Integrations-Setting schaffen, das auf dem Menschenbild „Zum Menschen durch Menschenrechte“ aufbaut?

Doch nicht genug, wir erinnern uns, nicht einmal der kleinste gemeinsame Nenner reicht aus: Ende September 2015 haben die Natios unter Euras Mantel beschlossen, die Visegrads nur widerstrebend, guten Willen zu zeigen und 160’000 Menschen auf der Flucht aufzunehmen und zu verteilen. Bislang sind es gut 6’000, davon vier Fünftel aus Grec. Dabei waren schon 160’000 eine beschämende Zahl, für einen Kontinent von weit mehr als 500’000’000. Für die Ös und Visegrads ist der Verteilmechanismus bereits gestorben. Doch weder die Anzahl der Menschen in Not noch deren Not ist damit weg vom Tisch. So haben die Erdogs offiziell (nach UNHCR, 2015) 2’500’000 im Land, am meisten weltweit. Inzwischen und inoffiziell, weil viele nicht registriert sind, sind’s sogar 3’500’000 Flüchtende. Manche schätzen noch mehr. In Liban 1’100’000 (18% der Einwohner). In Jord 664’000. Dabei wurde mit dem Pakt mit dem Autokraten Erdog auch beschlossen, 52’000 Syrs nach dem Schlüssel 1:1 zu verteilen – für 1 Syr, den man von Grecs Inseln nach Erdogland zurückschafft, 1 Syr von Erdogland in die Natios. Zur Not ist diese Quote auch noch bis 72’000 erhöhbar. Erdogland – autokratisch, somit antidemokratisch, kriegführend, nach dem Militärputsch die Oppositionellen aus der Öffentlichkeit „säubernd“ und an der Grenze zu Syr bis im Frühjahr 2017 eine quasi unüberwindliche Betonmauer fertigstellend – dieses Erdogland müsste als für die Flüchtenden „sicheren Drittstaat“, der einen mit der „Genfer Flüchtlingskonvention“ kompatiblen Schutz sichert, anerkannt werden. Erdogs kennen jedoch nur ein Asyl für Flüchtende aus Eura. Gleichzeitig werden tagein tagaus grundlegende Menschenrechte verletzt. Auch wenn die Natios Euras im Wissen um die „umstrittene“ Kompatibilität darauf drängen, haben die Gerichte Grecs die Anerkennung als sicheres Drittland ausgesetzt, was auch das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) für richtig hält. Die Gerichte vollziehen gesetztes Recht: Der Effekt: Die Rückschaffung von Flüchtenden nach dem Erdogland, eines der Kernstücke des EU-Erdogland-Deals, kommt zum grössten Teil zum Erliegen. Mehr noch: Grec sieht sich gezwungen, einige der schutzbedürftigsten Flüchtenden – für welche Erdogland sicher nicht sicher ist, oder unbegleitete Minderjährige oder schwangere – in Camps auf dem Festland zu bringen. Grec wird dabei jedoch von ihren Unionspartnern bedrängt und mit Liebesentzug in Form von Euro gedroht. Hier steht Eura und ihre Natios nun an jener Schwelle, die einzelne Staaten innerhalb Euras (beispielsweise Pol, Magyar) oder ausserhalb (Puttland, Erdogland) bereits vielfach und vielseitig überschritten haben: Die Politik vor das geltende nationale oder international verpflichtende Recht zu stellen.

Dabei soll der Norden von Irk nicht vergessen werden. Der Grossteil der halben Million Yezids sind seit dem Genozid am 4.8.2014 bereits auf der Flucht. ISS wütet gegen die Armee der Irks, gegen die Peschmerga der Kurds, gegen die Unterstützung aus Amerik und Dütsch. Und nun läuft seit sechs Wochen der Grossangriff auf die Millionenstadt Mossul. Zehntausende Zivilisten – aktuell sollen es bereits 70’000 sein, die Hälfte davon Kinder (NZZ [37]) – sind bereits aus den Vorstädten und den Stadträndern von Mossul geflohen. Man mutmasst, es könnten als Folge der Grossoffensive auf Mossuls Kernstadt bis zu 700’00, ja gar 1’000’000 Flüchtenden – 1 Million! – werden. Niemand weiss, wie man das bewältigen soll. „Ich habe schlaflose Nächte, wenn ich an die kommenden Flüchtlinge denke. Ich habe keine Ahnung, wie wir soviele Menschen versorgen sollen“ (Abed [38]). Folgender Kommentar macht die Logik von Krieg, Flucht und Umgang mit Krieg und dessen Konsequenzen deutlich: „Was sich da abzeichnet, ist nun wirklich nicht die Bekämpfung der Fluchtursachen, von der wir alle immer wieder reden. Das ist das krasse Gegenteil. Es kann gar nicht anders sein, dass diese Kämpfe wieder Tausende, Hunderttausende Richtung Grenze treiben, Richtung Erdogland und von dort Richtung Eura.“ (Kleber [39]). Zudem kann der erbitterte Widerstand von ISS nicht nur dazu führen, dass die Truppen der Irks und die shiitischen Milizen noch härter vorgehen werden, sondern dass immer mehr Zivilisten zwischen die Fronten geraten und Opfer schwerer Verbrechen werden, sowohl durch ISS als auch ihre heterogenen Feinden, sowohl auf der Flucht als auch dann, wenn sie wie in Aleppo eingekesselt und ausgehungert werden sollten.

8’5000’000, 3’500’000, 1’000’000, 500’000, 160’000, 72’000, 52’000, 6’000 sind nackte Zahlen. Hinter jeder dieser Zahl steht ein menschliches Individuum, das denkt, fühlt, handelt: Mindestens ein Drittel davon sind Kinder. Seit Monaten, gewisse seit Jahren ohne Zugang zu Bildung. Bekannterweise sind fehlende Bildung und Perspektivenlosigkeit Haupttreiber für Radikalisierung.

Wie soll das gut gehen?

Eura weiss das alles. Verschämt, wie sie ist, glaubt sie, wegschauen zu müssen. Weil die Natios es tun. Eura ist in die Mangel der Kleinstaaterei geraten. „Die haben alle Schiss und verziehen sich“ (Krause [40]). Die Franks haben Angst vor „FroNat“, die Dütschs vor „Völkisch Alternat“, die Holls vor den „Wilden“, und so weiter … und die Switz irgendwie vor allem: vor Rexs, vor Eura, vor Burkas. Ähnlich geht’s den Brits, die zuerst und am meisten nach Arbeitenden aus dem Osten Euras lechzten, und nun gebrext haben, weil Eura schuld sei an diesen Arbeitenden, was Eura in ihren Grundfesten noch mehr erschüttert. Aus ihrer Blassheit wird eingefallenes Gesicht. Und die Natios, vor allem das Netzwerk der Rexs, jene Verfechter vom „Europa der Nationen und der Freiheit“, sozusagen „die Internationale der Nationalen“ – welch widersprüchliches Gebilde! –, hauen auf Eura ein. Sie mögen parallel dazu die Politik von Putt und lassen sich von ihm gerne mit neun Millionen Euro unterstützen. „Le Pen trägt Prawda“ (Hénin [41]).

So rückt Erstaunliches immer bedrohlicher zu Mainstream auf. Eura, ein Kontinent, auf dem physisch und verbal gehauen wird: an den Grenzen, innerhalb der Grenzen, in den Städten, auf dem Lande, in den Parlamentssälen, vor allem auch „im Netz“. Die Frage drängt sich auf: Prügel und Haue als Zukunftsprojekt?

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Sinnbild für die wachsende Verzweiflung der im Stich Gelassenen. (Foto: In einem Camp in Grec, Juli 2016.)

Verletzt werden immer mehr: Menschen, Institutionen, über Jahrzehnte aufgebaute Errungenschaften. … vor allem, um wieder an den Anfang zu gelangen, auch Kinder. Von ihnen sind Tausende verschwunden: untergetaucht, verschleppt, versklavt. Sogar in Frank: The Guardian berichtet, dass unbegleitete Minderjährige, vom „Jungle“ in Calais in Willkommenscenter in Frank verteilt wurden, zu unbezahlter Arbeit gezwungen werden. [42] Was möglicherweise eher Einzelfälle sein könnten, erlangt im Erdogland, Euras Gehilfe beim Fernhalten von Flüchtenden, bereits systematischere Züge: Immer wieder wird berichtet, dass Kindersklaven billige Textilien auch für die Menschen der Natios herstellen. BBC Panorama berichtet sowohl von minderjährigen als auch erwachsenen Flüchtenden, die in solchen Fabriken in Erdogland Kleider für Marken wie Marks & Spencer, Asos, Mango oder Zara produzieren und dabei ausgebeutet würden. [43] Die Natios wissen davon. Eura weiss es auch. Doch der Pakt mit Erdog ist primär eine Festungsmauer gegen Zuwanderung. Kinderschutz und Schutz von Menschen mit minimalen Rechten sind somit Sache des autokratischen Regimes.

Geschützt, regelrecht nicht nur von Rassisten und Populisten gepflegt werden die Ängste vor der Zukunft. Der Siegeszug der Angst – ob nun in Eura oder Amerik – nimmt sowohl erstaunliche als auch bedrohliche Ausmasse an.

Wie konnte es nur soweit kommen?
Wie kommen wir da wieder raus?

 

Teil 3 – Eura, die Schöne, macht sich frei

Eura, die Eingefallene, taumelt.

Statt einer positiven Lernkurve dominiert an erstaunlich vielen Orten eine Negativspirale: in Syr, im Nord-Irk, an den Aussengrenzen von Eura, an den Grenzen der Natios, in den Parlamenten, auf der Strasse, auf den Dorfplätzen, in den Stuben. Um Fassung ringend, orientierungslos und immer öfters ängstlich ist die Stimmung. Dann wiederum scheint es in Eura, zumindest in den privilegierten Regionen so zu wirken, als ob man im „goldenen Käfig“ zuwartet, was denn da noch kommen möge, während andere unter Anwendung von Gewalt die Aussengrenzen absichern.

Über jene Orte und die dortigen Akteure, die sich positiven Aktivitäten und Impulsen verschrieben haben, wird in der Öffentlichkeit dagegen noch oft zusehr geschwiegen. Es wird wenig darüber berichtet, was alles an positiven Erfahrungen gemacht und neue Errungenschaften erzielt wurden, beim sich Kennenlernen von den Menschen auf der Flucht und uns. Fast so wie wenn es dies nicht gäbe. So hat das im Mittelpunkt stehende Land der Dütschs 2015 zwar nicht 1.1 Millionen, nach verifizierten Zahlen (Ende September 2016) 820’000 Menschen vollständig registriert. Mehr als alle anderen Eura-Staaten zusammen. Einiges läuft (noch) nicht so reibungslos. Abertausende hängen sich jedoch rein, beispielsweise die Gemeinden, oder die Lehrerschaft. Sie verdienen Anerkennung, Applaus! Einiges muss zwar erst noch richtig aufgebaut werden, dann wenn akzeptiert wird, dass Aufnahme und Integration von Zuwanderern künftig fester Bestandteil einer schrumpfenden Eura sein wird. Und doch, bereits jetzt, ist es eine Leistung: sowohl von staatlichen Organisationen als auch von Privaten. Und erstmals seit vielen Jahren hat das schrumpfende Land der Dütschs 2015 eine positive Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen, einschliesslich einer Verjüngung. Denn, bliebe es so wie bis anhin – wie es sich viele herbeisehnen –, würden in Dütsch bis 2035 ganze 17 Millionen Arbeitende in den Ruhestand gegangen sein, aber nur 6 Millionen würden nachkommen. Eine Lücke von 11 Millionen nicht nur Steuer Zahlenden. Ohne Zuwanderung und Integration einschliesslich der dazu nötigen Kosten wird es ein leistungsfähiges Dütsch wie bislang nicht mehr geben. So betrachtet, ist mit der Zuwanderung seit 2015 ein Anfang gemacht. Auch darauf liesse ich aufbauen. Nicht? Man hört nur selten davon. Erstaunlich. Umso mehr ist dafür die AfD präsent, aus deren Kreis statt Zuwanderung gar ein Verhütungsverbot für die Dütschs ins Öffentliche kullert. Braune Bettgeschichten. Viel Lärm um eine „Alternative“. Viel Lärm um Nichts. Nichts, was Sinn ergäbe. „Reine Destruktion. Da kommt nichts nach. Kein Gestaltungswille“ (Leggewie [44]). Nichts, was in einer Gesellschaft Sinn stiften würde. Oder im Süden, in Ital, dem Land mit der geringsten Geburtenrate Euras, lancierte die Familienministerin unlängst eine umstrittene „Fruchtbarkeitskampagne“. Darüber wird leidlich gestritten, und wo bleibt dabei der Bezug zur Einwanderung junger – und talentierter – Menschen?

Immerhin, der „Geist von Bratislava“ wurde beschworen. Gutes Tun, indem die Konjunktur und die Natios verbindende Zukunftsthemen wie Industrie 4.0 (Digitalisierung) angepackt werden sollen, hilft. Das Gute, das Neue der Zuwanderung, ja deren Notwendigkeit blieben verschwiegen. Zu heikel. Nur von „Sicherheit“ in Form von „sicheren Aussengrenzen“ zu sprechen, bedeutet, das bereits einseitige Zerrbild noch zu befördern. Der gute „Geist von Bratislava“ schliesst Anteilnahme an der Not der Menschen auf der Flucht vor Krieg und Mord aus, und eben auch die Erkenntnis, dass Zuwanderung auch Gutes mit sich bringen kann.

Und plötzlich reiben sich alle überrascht die Augen: Auf Lesbos ‚explodiert‘ der ehemalige „Flüchtlings-Hotspot“ Moria, der seit dem Deal mit Erdog ein überfülltes Internierungs- und Ausschaffungscamp ist und von den Insassen „Guantanamo“ (Wali [45]) genannt wird. Das Camp geht in Flammen auf. Das bewusst Weggesehene steht in Flammen. Flammen, die daran erinnern, dass die wichtigste staatliche Organisation, das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR, und die wichtigste NGO, Médecins sans Frontières (MSF) bereits im Frühling 2016 aus Protest über die faktischen Haftlager zurückgezogen hatten (!). Flammen, die daran erinnern, dass (fast) nichts verschwindet, wenn man es nicht zum Verschwinden bringt.

Doch weit grössere Flammen drohen: Was geschieht, wenn Erdog, der gerade das einmal säkularisierte Erdogland resakralisiert und ultranationalisiert (Croitoru [46]), von Eura enttäuscht wird? Er wird zäuseln. Was brennt dann? Nur der Trugschluss, dass der Deal mit einem Autokraten weder Eura noch den Flüchtenden auf Dauer hilft?

Irgendwann wird man realisieren, dass ein Kontinent, auf dem die Kultur des gegenseitig auf sich Einhauens, nichts Zukunftsträchtiges zustande bringen wird. Oder findet sich in der Historie eine Referenz dafür?

Irgendwann fordert die Gewissheit ihren Platz in der öffentlichen Debatte, dass ausgehend von den Fluchtbewegungen des Jahrs 2015 „die Geschichte eine neue Wendung genommen hat“ (Assman[47]) und nur ein grundsätzliches Umdenken in eine friedvolle Zukunft führt. Dieses „Irgendwann“ könnte durchaus weit in der Zukunft sein. Vielleicht muss der Kontinent beben, so fest beben, dass der Alltag der meisten Europäerinnen und Europäer betroffen, ja bedroht ist, bis das Umdenken obsiegen kann. Vielleicht muss es gar „krachen“, dass es soweit kommen kann.

Wieviele Kinder haben wir bis dahin verloren, an die Gräber, an den Sklavenhandel, an die Fundamentalisten?

Irgendwann setzt sich der Gedanke in den Köpfen fest, dass feiges Politisieren und feige Medienkonzepte entlang der selbst zu verantwortenden Empörungsaussenhaut der Öffentlichkeit nicht wirklich helfen. „Wenn Badeanzüge solchen politischen Sprengstoff haben, wer traut sich denn noch an schwierigere Fragen?“ (Claus Kleber [48] zur Skandalisierung der sogenannten Burkinis.) Irgendwann ist es mehr als ein Gedanke, dass man nun den Rexs, unter denen der Protest zunehmend zu radikalem, ja gewalttätigem Widerstand wird, ihr Nährmedium ausdünnen muss. Und dass man denjenigen, die Angst vor einer Zukunft haben, die komplexer als gedacht zu sein droht, wieder eine Zuversicht für die Zukunft vermitteln muss.

Womit? Dazu gehört sicherlich: „Gute“ Politik machen, „mit der Waffe der Aufklärung“ (Leggewie [49]) die Probleme ansprechen, Phantomprobleme als solche entlarven, unentwegt gut verständliche „Fakten, Fakten, Fakten“ auftischen, um dem Postfaktischen ein konkretes Gegengewicht zu liefern, „Fordern und Fördern“ nicht nur der Zuwanderer, sondern auch der Bürgerinnen und Bürger beispielsweise am TV, indem nicht erst nach 23 Uhr das Anspruchsvoll-Gute gezeigt wird, „Fordern und Fördern“ des politischen Nachwuchses, die Bürgergesellschaft stimulieren durch neue Formen der Mitwirkung, denn – so Leggewie – „die schweigende Mehrheit muss dringend Farbe bekennen“, Ängste nehmen statt solche durch Schweigen oder unbedachte Äusserungen zu schüren, den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat und seine Werte erklären und „laut“ hörbar gegen „die bösen Zwillinge“ (Tekkal [50]) ­– die rechtsextremen wie die islamistisch-fundamentalen Feinde der Demokratie – verteidigen, indem man nach ihnen lebt und manifest macht, Hinstehen, wenn es gilt, Haltung zu zeigen, „man muss dafür einstehen, was man für richtig hält“ (Krause [51]), den eigenen Kopf hinhalten, wenn gehandelt werden muss, wenn Verantwortung gefragt ist, vor allem Zuversicht vermitteln, indem man selbst mit Zuversicht ans Gestalten geht und dabei auch die möglichen positiven Zukünfte kommender Generationen der Natio, von Eura erzählt. All dies immer wieder von Neuem und ausgehend von vielen Akteuren, denn erst (glaubwürdige) Wiederholung schafft Wahrnehmung. Kurzum: Haltung, Phantasie und Ausdauer statt Panik und undefiniertes Geschwabber.

Und letztlich gestaltet nur eines die Zukunft: DAS HANDELN.
Debatten zu führen, ohne dass daraus ein konkretes Handeln entspringen soll, ist nutzlos.
Wer direkt, Auge in Auge mit schutzbedürftigen Flüchtenden zu tun hat, weiss das.
Ein Zitat, aus einer abendlichen Videobotschaft aus Thessaloniki, Juli 2016: „Am Schluss zählt hier nur, dass gehandelt wird. Dies hängt an einzelnen Personen, die dafür die nötige Willenskraft aufbringen. Dies ist eine Einladung an Alle. Wenn ihr nichts tut, passiert nichts. Guten Abend“ (Räber [52]).

Für jene, die in Aleppo durch die geächteten Fass-, Brand-, Chemie- und bunkerbrechenden Bomben im Leben bedroht werden, ist der Tag tiefste Nacht. Für verschleppte, versklavte Kinder auf dem Kontinent ebenso. Viel Licht fürs Leben bleibt auch jenen nicht, die in den Camps in Grec, Ital, Serb, Magyar etc. festgehalten werden.

Und doch, wer mit diesen unfreien Menschen auch unter noch so misslichen, prinzipiellen Menschenrechten zuwiderlaufenden Bedingungen arbeitet, erfährt Ungeahntes. Ungeahnt Positives. Ungeahnt Anhaltendes. Es ist, wie wenn die helfenden Menschen von einem strahlenden Licht erfasst worden wären. Was damit gemeint ist, illustrieren etwa Erfahrungsberichte von Volunteers in Grec wie: „Als ich vor zwei Wochen im Camp angekommen bin, hätte ich mir nie im Leben gedacht, dass diese Menschen in so kurzer Zeit ein solch wichtiger Teil von mir werden. Sie sind keine Flüchtlinge mehr. Aus ihnen wurden Menschen, sie alle haben Gesichter, Stimmen, Gerüche… Häufiger als man denken könnte, haben sie ein Lächeln… Und ich kann sie noch immer sehen, hören und fühlen. Diese Eindrücke werden schwinden, aber sie haben mir etwas gegeben, das mir niemand wegnehmen kann und ich kann es nicht wirklich in Worte fassen. Sie strahlen eine Liebe aus, die ich noch nie zuvor erfahren habe.“ (Sandro [53])

Oder von Sandra [54], zum Thema: „Was es bedeutet, ein Volunteer zu sein:

  • Du kommst vielleicht alleine in einem fremden Land an, in der Volunteer-Wohnung oder im Camp, aber ab dann wirst du nie mehr alleine sein. Weder während deines Einsatzes, noch zurück zuhause. Die Geflüchteten werden in deinen Gedanken und in deinem Herzen sein, und mit anderen Volunteers können Freundschaften fürs Leben entstehen.
  • Wahrscheinlich bist du gekommen, um das Leben von anderen Menschen zu verändern oder ihnen etwas Positives zu geben. Innerhalb kürzester Zeit wirst du jedoch feststellen, dass SIE dich, deine Einstellung, DEIN Leben verändern.
  • Du wirst die Erfahrung machen, ein Zuhause weit weg von deinem eigentlichen Zuhause zu haben. […]

Da steckt sie nun drin, diese „Macht des Sinnhaften“.

Oder schauen wir hin, zu SAMI, dem jungen Yeziden-Mann.

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SAMI. (Fotografiert im Camp Petra bei Katerina, Juli 2016)

Ich traf ihn im Camp Petra, als er von der Borderfree Association von VANJA Crnojevic einen Musikverstärker bekam, um damit – sein so inniger Wunsch – Musik-Workshops für Kinder und Jugendliche durchzuführen. Bis zur Räumung des Zelt-Camps Petra, jene Woche vor dem 1. Dezember, teils im Schneegestöber, war er dran, jeden Tag. Nun ist er das Vorbild der Kinder. – Siehe dazu der Artikel „Samis Moves“, verfasst nach dem zweiten Treffen im Camp Petra. – Er, der junge Mann, zugehörig zu jener Kategorie von Flüchtenden, vor denen soviele soviel Angst haben. Die Freiwilligenhelferin Irina Janser schrieb: „Was Sami jeden Tag im Camp Petra leistet, ist etwas vom Berührendsten, was ich erleben durfte. Sami unterrichtet den ganzen Tag in einem kleinen Raum Mädchen und Jungs im Tanzen. Ganz oft sass ich stundenlang in diesem Raum. Gerührt von der Stimmung, berührt von seiner wundervollen Art wie er mit jedem einzelnen Kind dort umgeht. Die kleinsten Kinder dürfen bereits mitmachen, und es hat viele kleine Talente darunter. Ob bei einer Hip Hop-Choreografie, oder beim Breakdance für die Jungs, die Augen der Kinder leuchten. Was mich auch sehr überrascht hat, ist wie es Sami schafft, diese Kinderhorde zur Ruhe zu bringen. Sie hören aufmerksam zu und lernen sehr schnell. Somit kommt es, dass Sami zusammen mit einem 6-jährigen Junge eine ganze Choreografie aufführte und wir alle nur noch staunen konnten. Sami gibt den ganzen Tag Unterricht, meistens bis spät in die Nacht hinein. Er möchte, dass alle Kinder den Unterricht besuchen können und hat deshalb verschiedene Gruppen gebildet.“ (Janser [55])

Und Sami, auf die Frage „Woher nimmst du all diese Kraft, jeden Tag wieder aufzustehen?“:

„Ich sehe wie die Kinder dadurch wieder einen Sinn in ihrem Alltag bekommen. Die Kinder haben bereits in ihren jungen Jahren schon so viel durchgemacht, das Tanzen soll ihnen etwas zurückgeben. Die Kinder lernen dadurch ihre negativen Gefühle herauszulassen, sowie seelische Schmerzen zu verarbeiten. Wenn ich die Kinder tanzen sehe, bin ich glücklich und ich möchte alles dafür machen, dass sie eine bessere Zukunft haben werden wie ich. Ich bin immer bereit, für die Kinder hier im Camp da zu sein, wenn nötig 24 Stunden am Tag.“ (Janser)

Ein anderes Beispiel, von der Generation der politisierten und engagierten Jugend? Ja doch! LISKA Bernet, 27-jährige Zürcherin mit Studium in Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Nothilfe an der London School for Economics, traf ich vor einem Jahr auf Lesbos: Sie war mit KIKI, der Gründerin von „Better Days for Moria“, verantwortlich für die Versorgung Flüchtender mit Essen, Kleidern, Informationen und menschlicher Wärme im Registrierungs-Camp von Moria.

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Januar 2016, Camp Moria, Lesbos, Griechenland: LISKA Bernet (CH), damals für „Better Days for Moria“ tätig, mit MICHAEL Räber (CH) von „schwizerchrüz.ch“ beim Koordinieren ihrer Aktivitäten.

Nach dessen Umfunktionierung infolge des EU-Erdogland-Deals in ein Internierungs- und Ausschaffungs-Camp mussten die auf der Ägäisinsel verbliebenen oder neu ankommenden Menschen auf der Flucht hinter den Stacheldraht-Verbau des Camps. UNHCR und MSF zogen sich aus Protest vor diesem juristisch nicht statthaften Weg vom Camp zurück. „Better Days for Moria“ musste schliessen, weil die Flüchtenden nicht ausserhalb des Internierungslagers sein konnten. LISKA zog weiter, blieb aber Grec und dem Thema treu. Sie erzählte im Frühling vom Plan, in Athen eine neue Anlaufstelle für Flüchtende einzurichten. Obwohl in Grec die Mühlen langsam drehen, hat das von ihr und Gleichgesinnten geschaffene „Social Center KHORA“ bereits eröffnet. Das einzige in dieser Art in Grec. Auf sieben Stockwerke verteilt werden die nötigen Informationen und Beratungen für Asylanträge zugänglich gemacht, es wird syrisches Essen zubereitet und miteinander verspiesen, es wird unterrichtet, es entstand eine aus Restbeständen einer alten Zahnklinik eine neue für Flüchtende, es wird ein kostenloser Rechtsbeistand organisiert, es werden Kreativräume für Workshops geschaffen, Musik aufgespielt, Filme gezeigt, etc…. Reporter Patrick SCHELLENBERG berichtet im Schweizer Staatsfernsehen SRF darüber – „Die Aktivistin“: „Es sind kleine, unabhängige Gruppen von Laien, bei der Bewältigung der Flüchtendenkatastrophe eine zentrale Rolle spielen. Sie übernehmen Aufgaben, vor denen die europäischen Länder und die grossen Hilfsorganisationen kapitulieren.“ [56] Engagierte Menschen wie LISKA – man schubladisiert auch sie: als „Aktivisten“ – haben dies über viele Monate jeden Tag erlebt, Klage erhoben – ohne Auswirkungen, wollen es nicht akzeptieren, dass katastrophale Verhältnisse für die Flüchtenden toleriert werden und niemand wirklich Verantwortung übernehmen will, haben aber auch gemerkt, wenn sie es nicht anders tun, macht’s niemand. Drum legen sie selbst Hand an, in einer Form, über die der Fernsehreporter staunt, wo „Abenteuerlust, Partylaune und der Einsatz für die Schwächsten der Gesellschaft“ selbstverständlich einher gehen, um – in den Worten von LISKA – „die Welt ein klein wenig so zu machen, wie ich sie mir so vorstelle.“ Beeindruckend, wie die Helfenden aus diversen Ländern dieser Welt mit den Flüchtenden zusammen tatsächlich ein „Soziales Zentrum“ erschaffen – in der Fremde in Athen. Sie selbst staunen darüber: „The centre has only been open for two months, but the floors are full of life and activity.“ [57]

Wie sagt man: „Weil’s gerade so schön ist“? – Noch ein anderes Beispiel unter vielen, jenes von TENZIN Scherab.

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TENZIN (CH)

Ich traf ihn anfangs November 2016 im Camp Karamanlis bei Thessaloniki, als er sich gerade aufmachte, in die Schweiz zurückzukehren. Wir wechselten nur wenige Worte. Sie genügten, um zu erkennen, dass auch TENZIN ein „Date“ mit dem Sinnhaften hatte. Die Worte sprudeln, er strahlt und zieht dann, etwas aufgekratzt vom Erlebten, davon. Den Schweizer mit tibetischen Wurzeln, sein Vater war tibetischer Mönch, treffe ich diese Tage wieder beim Abpacken einer Kleidersammlung am Flughafen Zürich. Gebückt zwischen den Kartons diskutieren wir übers Erlebte, wie auch das Kommende. Er erzählt, noch am ersten Arbeitstag nach seiner Rückkehr hätte er seinen Chef um unbezahlten Urlaub gebeten. Ihm mache die Arbeit mit den Banklehrlingen Spass, doch er müsse nochmals nach Grec. Der Chef hätte gemeint, der Moment sei ungünstig, doch er hätte auch gemerkt, dass es TENZIN so ernst war, dass dieser wenn nötig auch gekündigt hätte. So stellte der Chef ihn für drei Monate frei. Nun geht’s zurück nach Grec. TENZIN weiss, das ihn dort kein Honigschlecken erwartet, trotzdem sprudelt es aus ihm heraus: „Ich freue mich.“ Wir diskutieren über das Persönliche hinter dieser Entscheidung, über seine Familiengeschichte, über seine Motivation, als Volunteer ohne Lohn zu arbeiten, über seine Freude dran. Auf die Frage ‚Warum?‘ überlegt er eine Weile, meint dann, fast entschuldigend, es töne banal. Doch ihm falle nur das Eine ein: „Es macht glücklich.“

Sie greift um sich, die „Macht des Sinnhaften“. Ich sehe diese heilvolle Macht, wenn ich stellvertretend für viele Michael GROSI Grossenbacher (The Voice of Thousands), MICHAEL Räber (schwizerchrüz.ch), NIKOS Sergakis („Der Supergrieche“ bei schwizerhrüz), VANJA Crnojević und SALOME Buess (Borderfree Association), CYRIL Romann (Verein Fair), RAQUEL Herzog (Save Assist Outreach – Frauen für Frauen auf der Flucht), LISKA Bernet (Social Center KHORA) und viele andere Initianten und Initiantinnen innen von kleinen, handlungsschnellen Hilfsorganisationen im Einsatz sehe. [Links und Angaben zu den Spendenkonti dieser Organisationen am Schluss der Artikels.]

Ich sehe diese Macht, wenn MICHAEL Räber im ZDF [58] ohne Umschweife von den alltäglichen Verhältnissen in Grec, im Mare Nostrum, im Erdogland erzählt. Ich sehe die erschütterten Gesichter der Priesterin Margot Kässmann, des Moderators Markus Lanz und der anderen Gästen. Ich sehe, wie es Kässmann und Lanz berührt, als MICHAEL erzählt, wenn seine Organisation aus den zwei von seiner Organisation betreuten Camps abziehe, dann würden 560 Kinder ohne Betreuung und Schule sein, deshalb werde er dies nicht tun. Das sei keine Alternative. – Punkt.

All dies und viele Beispiele mehr hängen fest in den Seelen jener, die zuschauen und zuhören. Je mehr das geschieht, je mehr man erkennt, dass sich da „die Macht des Sinnhaften“ von all den Verirrungen, Selbstbezogenheiten nicht verscheuchen lässt, desto mehr steckt sie an.

Exemplarisch der Fall Räber: Aus einem Urlaub machenden Paar wurde eines, das spontan half, daraus wurde eine helfende Familie, dann hunderte Helferinnen und Helfer, Langfristverbündete und Spender, tausende Sympathisanten und Botschafter, diverse Preisverleihungen, und Hunderttausende, die verdutzt am Fernsehen mitbekommen, dass Konkretes zur Besserung möglich ist, und dass da Leute einfach nicht mehr locker lassen.

Neue Klarheiten entstehen. – Denn das ist es, was Eura und die Welt am wohl dringendsten brauchen: MOMENTE DER KLARHEIT (Friberg/Die Denk-Allmend [59]). – Neue Bestimmheiten ergreifen eine wachsende Anzahl Menschen. Man macht es, und das Machen wird selbstverständlicher. Man handelt und spürt, dass die Zukunft gestaltbar ist. Man agiert mit zunehmender Überzeugung, weil man die eigene Erfahrung macht, dass Sinnhaftes Tun Sinn stiftet, nicht nur beim Empfänger, auch beim Absender selbst.

Ein solcher Absender könnte nicht nur ein Individuum oder eine Gruppe von Menschen sein, sondern auch eine Natio oder ganz Eura. Nehmen wir das im Mittelpunkt stehende Dütsch. Aus Idomeni schrieb ich im Frühling 2016 („Die Hand reichen – Idomeni ist auch ein Ort des Lernens“): „Man kann es drehen und wenden wie man will, man kann einwenden und relativieren, doch eines bleibt: Begehrt zu werden ist einfach besser. – Wer konnte dies vor Jahrzehnten ahnen, dass es das Land der Dütschs ist, das zum ultimativen Land der Begierde werden würde. Verpassen nun diese Tage etwas gar viele Dütschs, das dies vielleicht das grösste aller möglichen Komplimente ist? Das wäre ein verdienter Grund, Stolz zu sein, nicht nur auf die wirtschaftliche Kompetenz, sondern offenbar noch auf etwas anderes.“

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Sehnsuchtsland Dütsch. (Fotografiert im Camp Karamanlis in Sindos bei Thessaloniki, Juli 2016).

Einen Versuch wäre es wert: Andersrum denken und erkunden, ob man sich bereits auf dem Weg zu neuen Klarheiten befindet?

Was haben die Beispiele für die „Macht des Sinnhaften“, von denen es noch viel mehr gäbe, zu bedeuten? Sind solche Initiativen, Projekte, Menschen bereits Anzeichen dafür, dass „das Zeitalter eines neuen Leaderships und Entrepreneurships“ begonnen hat?

Eines wird zumindest immer deutlicher: Menschengemachte Krisen wurden erst zu Krisen, weil zuviele Länder, zuviele Regierungen, zuviele Bürgergemeinschaften aus welchen guten Gründen auch immer zuwarteten, zuschauten, was so vorging und -geht. Und man bedenke dabei die möglichen Konsequenzen: Gesellschaften wie auch Konstellationen von Gesellschaften können auch an sich selbst zerbrechen. An der Vernachlässigung ihrer starken Werte, die sie einmal zur „Hochkultur“ werden liessen. Düzen Tekkal, die deutsch-yezidische Journalistin (siehe dazu auch den Artikel „Gedenken an den Genozid an den Yeziden“), ruft in ihrem neuen Buch ‚Deutschland ist bedroht. Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen‘ „die schweigende und verunsicherte Mehrheit der deutschen Staatsbürger dazu auf, aus der Komfortzone hervorzutreten, um gegen aufkeimende totalitäre Extremismen jeglicher Schattierung entschieden Stellung zu nehmen. […] Dütsch sei bedroht, ‚weil wir Angst haben‘.“ [60] Kabarettistisch hört sich dies vielleicht so an: „Die Stimmung ist doch irgendwie so scheisse“ (Rether [61]). Ähnliche Befunde von schleichend zerbröckelnden demokratischen Grundordnungen liessen sich auch in anderen europäische Staaten ableiten.

Das Zerbrechen beginnt bereits bei der Sprache. 2016 sind ernst gemeinte oder manipulativ eingesetzte Worte und Sätze in der Öffentlichkeit, in den Parlamenten, in den Redaktionen möglich, vom Internet ganz zu schweigen, für die man vor zehn, fünfzehn Jahren abgemahnt worden wäre. Werden wir uns der sprachlichen Unachtsamkeiten wie der gezielten Manipulationen bewusst! – Man lese dazu auch die Worte von Mely Kiyak in der ZEIT ONLINE „Schluss mit dem dummen Geschwätz!“ – Ändern wir die Sprache! Sprechen wir also auch nicht mehr von den „Flüchtlingen“: aus „Lingen“ werden Menschen auf der Flucht, aus einer diffusen Masse wird eine Vielzahl von Individuen, mit Ideen, Gefühlen, Talenten.

Neben dem Zerbrechen der Sprache ist einer zunehmend zerbröckelnden Gesellschaftsordnung auch noch der Hinweis zum geostrategischen Zerbrechen: Soll man im Nahen Osten so weiter machen wie in den letzten Jahrzehnten, wo die Negativspirale immer schneller dreht? Wohin kann das noch führen? Noch mehr verbrannte Erde? Spätestens jetzt sollte man begriffen haben, dass der Nahe Osten „nah“ ist, dass er bei uns angekommen ist. Kopf wegdrehen? Ergibt das noch Sinn? Eura hätte da ja Erfahrungen im Neuaufbau beizutragen.

Was geschieht, wenn man den Kopf wegdreht, bahnt sich in Pol oder in Magyar an. Abschottung, fremd von der Zeit und der Welt sein Wollen, und dabei mit totalitären Moden fuchteln, beinhaltet auch das Risiko, ökonomisch abgehängt zu werden. Ausländische Investoren sagen bereits: Nein danke, das ist ein zu grosses Investitions- und Reputationsrisiko. Wer will Millionen in einem rassistischen, antidemokratischen Land investieren, wo die Investitionen nicht sicher sind vor unrechtstaatlichem Zugriff? Die Pols werden dies bald erkennen, ihr bemerkenswerter Aufschwung der letzten Jahre ist bereits am absacken.

Doch vorher gälte es noch die Erkenntnisse zu beherzigen, die Michael Thumann von ZEIT ONLINE diese Tage in der Morgenrubrik „Fünf vor 8:00“ in einem bemerkenswerten Text „Es ist die Kultur, Dummkopf!“ schrieb. Die obige Darlegung des Beispiels der Pols ist nach der Lektüre dieses Artikels wohl auch noch etwas zu „kopfgesteuert“, wie Thumann das den Volksparteinen in Dütsch – nicht nur dort – zuspricht. „Es ist an der Zeit zu erkennen, dass der Populismus seine Wucht nicht aus Armut, sondern aus dem gefühlten Verlust der Identität zieht.“ Drum würde die in der Vergangenheit immer gleich gefällte Antwort – das Ausschütten von Geld – nichts bringen. „Populismus ist offenbar gegen Geld immun.“ Mit Geld komme man „nicht mehr in diese Kneipen“ des Populismus rein. Der Blick auf Pol sei exemplarisch, das bis noch vor Kurzem „wirtschaftlich die vielleicht besten Jahre seiner Geschichte erlebte“. Trotzdem hat man die rechtspopulistische PiS-Partei gewählt, und diese unter anderem einen Verfassungsputsch vollzogen. Es geht wohl immer mehr, wie in Amerik, um einen „Zusammenprall der Kulturen“. Pol sei ein Modell für ganz Europa, so Thumann: „Natürlich interpretieren die Ressentimentbeladenen in jedem Nationalstaat ihre Identität ein bisschen anders, aber ihre Meinung ist einhellig über die metrosexuellen Latte-Macchiato-Bewohner der Metropolen mit ihren unverständlichen, meist englischsprachigen Obsessionen, ob LGBTQ, Gendermainstreaming, Refugees welcome, Veggie days, Climate change oder der vierfachen Mülltrennung mit separatem Komposttütchen.“ Mit Vernunft – kopfgesteuert – komme man nicht in diese Kneipen hinein – in diese Welten, die immer mehr die Politik in Eura und Amerik zu bestimmen beginnen. „Vernunft ist ein Konzept der Vergangenheit. Jetzt kommt die Ära der Emotionen.“ [62]

Wie erhellend. Wie schwierig, dieser oft destruktiven Kultur konstruktiv und wirkungsvoll zu begegnen. Eine Kultur, die so breit und laut geworden ist, von der auch Reihen der Politik und der Wirtschaft ergriffen werden, dass Eura und die Natios nicht mehr wagen, eine auf humanitären Grundsätzen basierende Politik zugunsten der Menschen auf der Flucht aufrechtzuerhalten bzw. wieder einzuführen.

Eines jedoch scheint offensichtlich, in einer Ära der Emotionen schlägt auch die Stunde der „Macht des Sinnhaften“! Das Verharren in überlebten Sehnsüchten und die Angst vor dem gefühlten Verlust der Identität bekommen damit kein „Worte-Wischi-Waschi“ und keine ökonomische Beschwichtigungen entgegengesetzt, sondern konkrete Taten. Taten, die zeigen, dass das Leben, ja sogar die Zukunft gestaltbar ist. Und dass man von Menschen mit „emotionaler Persönlichkeit“ umgeben ist, die sich nicht mehr „aus der Partei ekeln“ lassen (Thumann), auch nicht aus dem öffentlichen Leben. – Wie weiter oben beschrieben: „dass da Leute einfach nicht mehr locker lassen“. – Je mehr dies sicht- und spürbar wird, je flächendeckender und tiefgreifender dies geschieht, umso mehr wird sich der Blick auch jener wieder nach vorne richten, die sich jetzt verstärkt nach dem alten, wohl in dieser ersehnten Form gar nie Dagewesenen sehnen. Eine Garantie gibt es nicht dafür, aber die „Macht des Sinnhaften“ scheint jene machtvolle und sinnstiftende Ausstrahlung mit sich zu tragen, dem Aufschwung der Kultur der Angst soviel Konkretheit entgegenzusetzen, dass die urmenschliche Angst vor Veränderungen sich wieder auf jenes Mass reduziert, dass man sich als Individuum, Familie, Gesellschaft, Nation oder Staatenmix wieder mit wachsendem Vertrauen an eine sinnhaftere – mitbestimmte und mitsanktionierte – Gestaltung der Zukunft wagt.

Je mehr Sinn stiftende Aktivitäten also sichtbar und spürbar werden, umso mehr wird ein solcher zuversichtlicher Blick in die Zukunft möglich sein. Der Impuls dazu und der damit verbundene Druck zu Veränderungen wird käumlich von G7-, G8-, G20- oder EU-Gipfeln kommen, da der Fisch bekanntlich zuerst vom Kopf her zu stinken pflegt. Wie die grossen Volksparteien seit Jahren strampeln und laufend an Einfluss verlieren, lässt vermuten, dass die Impulsgeber nicht unbedingt aus diesen Kreisen kommt, sie sind allenfalls in der Lage – das gehört zu ihren Kernkompetenzen –, neue Impulse von aussen zu erkennen und nutzbar zu machen. „Der bis in die Gegenwart dauernde Streit zwischen Konservativen, Sozialisten und Liberalen resultiert in einer Politik, die auf die brennenden Fragen der Gegenwart keine Antworten mehr zu finden scheint“ (Löpfe und Fiechter [63]). Als aktuelles und eindrückliches Beispiel dafür dient der „Brexit“. Grossbritannien wie Eura stehen davor, die Weisheit des Sprichworts „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“ wiederzuerkennen. Hoffentlich.

Die Tatsache, dass sich Mächte gegenseitig neutralisieren – nicht nur im UN-Sicherheitsrat dank der fünf Vetomächte, es gibt auch andernorts oft ein genügend gewichtiges „Veto“ –, lässt erwarten, dass Richtung ändernde Impulse „von aussen“ kommen müssen. Oder anders betrachtet: „aus dem Innern“ jeweiliger Gesellschaftsformen. Es muss mehr in der Breite brodeln. Was es bereits an vielen Orten – versteckt oder offenkundig – bereits geschieht. Mit „Impulsen aus dem Innern“ sind solche gemeint wie von zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, von Organisationen und Stiftungen, von Unternehmern wie auch Privaten. Ohne diese wird das aktuell vorherrschende Ordnen, Domestizieren und Verwalten der Machtverhältnisse weiterhin dazu führen, dass ein Machtvakuum entsteht, das Autokraten wie Putt, Erdog, Sauds etc. weiterhin mit Leichtigkeit und einem verächtlichen Lächeln auf den Lippen zu ihren (totalitären) Gunsten ausnutzen werden. Tramp hat sich dafür nun sogar die mächtigste Natio vorgenommen.

Über Projekte und Bewegungen konkret Sinnstiftendes zu schaffen und zu verbreiten, entbindet Akteure in demokratisch gesteuerten Nationen und internationalen Gemeinschaften wie die EU nicht vor der Sorge um die Institutionen. Über die letzten Jahre hat sich eine wachsende Nonchalance gegenüber dem Wert von Institutionen entwickelt. Nicht nur etwa in verachtendem Ton in systemkritischen, demokratiezersetzenden Populistenkreisen, nein auch in unserem europäischen Alltag. Wichtigen, staatstragenden Institutionen Sorge zu tragen, ist unsexy und mühselig geworden. Lieber nicht so genau nehmen, was Willkür und Glaubwürdigkeitsverlust Vorschub leistet. Wen kann es da noch wundern, dass der „Kampf um die Demokratie“ nicht nur Worte sind, sondern tatsächlich auch verloren gehen könnte, auch in Eura?

Die „Macht des Sinnhaften“ kann auch in diesem nüchternen Bereich durchschlagend sein, wie etwa das Beispiel der sogennanten „Durchsetzungsinitiative“ (Ausschaffung von Ausländern auch bei geringen Vergehen, ohne Einzelfallbeurteilung) im Februar 2016 in Switz zeigte. Alle Politauguren sahen das Rennen bereits Monate vor der Abstimmung im Sinne der populistischen Initianten entschieden. Doch dann machte sich ein Komitee auf, die politische Debatte, verstärkt auch über die sozialen Medien, anders – frischer, jünger, parteiunabhängig – als bis anhin zu führen. „Operation Libero“ heisst eine dieser neuen, überparteilichen Netzwerke vor allem junger Politakteure, die man bislang nicht kannte und die inhaltlich anspruchsvolle Themen mit Verve und Kompetenz unters Stimmvolk bringen. Eine Abstimmung, die im Kern sehr sexy Themen wie Gewaltentrennung, Rechtsstaatlichkeit, Verhältnismässigkeit zum Inhalt hatte, wurde so lebendig wie sie es wohl schon lange nicht mehr war. Und die fremdenfeindliche, populistische, das Völkerrecht missachtende Durchsetzungs-Initiative wurde vom Stimmvolk der Switz wuchtig verworfen! Genauso wurden Meinungsumfragen zerzaust und die Kampagnen der Wirtschaft und der politischen Parteien soweit mit Schwung und Spirit überlaufen, dass man fast etwas verwundert zur Kenntnis nehmen musste: auch das fast nicht für möglich Gehaltene ist machbar. Gerade in der Switz, die stets unter dem Verdacht der Bedächtigkeit steht. Und man stellt mit Erstaunen fest, dass ausgerechnet junge Menschen das Stimmvolk der Switz daran erinnerten, welch wichtige institutionelle Funktionen die Gewaltentrennung, Rechtsstaatlichkeit, Verhältnismässigkeit für eine Demokratie haben. Eura schau hin: Akte demokratischer Reife sind auch 2016 möglich!

In eine andere Richtung verweist eine Studie von «foraus», dem von jungen Denkern geschaffenen unabhängigen Think-Tank der Schweiz zur Aussenpolitik: Die am 5.12.2016 publizierte Studie soll einen „Ausweg aus dem Dublin-Dilemma“ aufskizzieren. [64] Das „dysfunktionale“ Dublin-Abkommen führt in den Worten der Autoren zu „Verantwortungsabwälzungen“ unter den Natios im Schengenraum, „zu Fehlanreizen, welche die europäische Asylkoordination untergraben. So haben Staaten nur geringe Anreize, Geflüchtete zu registrieren, weil sie vermeiden möchten, die Kosten für den Flüchtendenschutz zu übernehmen. Stattdessen versuchen sie, die Geflüchteten an ihre Nachbarn abzuschieben. Gleichzeitig regen die Dublin-Regeln Geflüchtete oftmals dazu an, sich der Registrierung zu entziehen. Sie möchten in jenem europäischen Land einen Asylantrag stellen, in dem sie sich die besten Zukunftsperspektiven erhoffen, und vermeiden deshalb, bereits im Ersteintrittsland registriert zu werden. Die europäische Asylpolitik sieht sich folglich mit einem Koordinationsdilemma konfrontiert: Obwohl Staaten wie Geflüchtete ein grosses Interesse an einer Registrierung haben, führen die Dublin-Regeln dazu, dass dieses Ziel von den beteiligten Akteuren selbst unterlaufen wird.“ Da nun auch künftig eine grössere Zahl humanitärer Migratinnen und Migranten nach Eura kommen werde, benötige Eura daher ein nachhaltiges Asylsystem, das verfolgten Menschen Schutz gewährt und eine effiziente Asylkoordination garantiert.

„Erstens sollten Anreize geschaffen werden, dass sich sowohl die beteiligten Staaten wie auch Gef̈lüchtete an die Dublin-Regeln halten. Dadurch würden Kooperation zwischen den Ländern und reguläre Aufenthalte zur bevorzugten Strategie. Zweitens braucht es einen effektiven Krisenbewältigungsmechanismus, um auch bei einem Anstieg der Flüchtlingszahlen funktionsfähig zu bleiben und die menschen- und völkerrechtliche Verantwortung wahrnehmen zu können. Drittens schliesslich muss ein Reformvorschlag die unterschiedlichen nationalen Interessen berücksichtigen und für alle beteiligten Staaten Koordinationsgewinne ermöglichen. Nur dann ist ein politischer Ausweg aus dem gegenwärtigen Dublin-Dilemma realistisch.“ Ein Mitspracherecht von Geflüchteten bei der Wahl ihres Ziellandes sowie eine flexible Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten, die dank finanziellen Ausgleichsmechanismen ohne verbindliche Verteilquoten auskommt, sollen dazugehören, meinen die Autoren.

Alle wissen oder ahnen zumindest, dass institutionelle Reformen wie die Anpassung des Dublin-Abkommens unausweichlich sind. Trotzdem fürchten sich alle wegen des aktuellen politischen Klimas davor. Doch diese Furcht treibt tausende Flüchtende im Mittelmeer in den Tod, und lässt noch viel mehr schutzbedürftige Flüchtende in unzumutbaren Verhältnissen an den Aussen- und Binnengrenzen im Stich.

„foraus“ denkt und geht voraus: „Obwohl die Notwendigkeit einer institutionellen Reform allgemein anerkannt ist, scheint eine politische Einigung im gegenwärtigen politischen Klima äusserst anspruchsvoll. Die Schweiz sollte aus eigenem Interesse und aus Kohärenz mit ihren Werten als wichtige Ideengeberin und Vermittlerin daran mitwirken, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen.“

Endlich, wären jene an den Brennpunkten der Flucht nach Eura Tätigen geneigt zu rufen, wenn die Switz sich mit dem einbrächte, wofür sie steht: mit ihren demokratischen Werten, mit ihren institutionellen Erfahrungen und Ideen, mit ihrer Tradition nicht nur als Vermittlerin, auch mit ihrer humanitären Tradition. Endlich raus aus der passiven Zuschauerrolle im „goldenen Käfig“, endlich ergreift die Switz aktiv den Stab der „Macht des Sinnhaften“, weil sie sich nicht nur als Teil eines europäischen Verantwortungsraums, sondern auch eines europäischen Möglichkeitsraums sieht.

Und dann gäbe es noch ein anderes Mega-Thema, an dem vorbeizuschauen dramatische Folgen für Eura hätte: AFRIK! – Zur Erinnerung und zur Mahnung: 2016 sind quasi 24 Boeing 737-800 in der Ägäis, vor allem im zentralen Mittelmeer abgestürzt. 24 Boeings – was gäbe das für Schlagzeilen in den Newsmedien! Doch stattdessen nimmt die Öffentlichkeit in Eura nur noch beiläufig zur Kenntnis, dass nach den 3’771 im Jahr 2015 (bei 1 Mio. Menschen, die in Booten über das Mittelmeer flüchteten) in diesem Jahr bis anhin bereits 4’715 Flüchtende im Mittelmeer (bei 350’000 Bootsflüchtenden, Quelle; UNHCR) ertrunken oder in einem Schiffsrumpf erstickt, verdurstet oder tödlich erdrückt wurden. 4’715: Unfassbar! Médecins sans Frontières (MSF) verweisen mit einem anderen Verglich auf die Zahlen der Jahre 2014-2016: 11’701 Tote. Das sind mehr als 5 vollbesetzte Titanics, lebendig ertrunken im Mittelmeer. Nicht hinnehmbar, und doch geschieht es. Die Gründe für die Toten: Immer mehr Menschen nicht nur aus Nordafrik, sondern auch aus Zentralafrik streben nach Eura. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Zudem führt „die Eindämmung der Flüchtlingskrise“ (Bundesregierung der Dütschs) zu immer gefährlicheren Fluchtrouten und damit zum Anstieg an Toten. – Der Innenminister der Dütschs, Thomas de Maizière, forderte im Zusammenhang mit Idomeni diesen Frühling die Öffentlichkeit kollektiv auf: „Wir müssen die harten Bilder aushalten.“ Gilt dies auch für die Bilder vom Mittelmeer? Müssen wir? Dürfen wir?

Ein Muss ist offensichtlich: Eura muss nach Süden blicken, und verstehen lernen, was passiert, wie es passiert, warum es passiert. Wir sehen etwa, wie seit Jahren die Asiats nach Afrik streben: So kolonisieren die Chins oder Süd-Kors ein weiteres Mal den Kontinent der Afriks. Konzerne mit Wurzeln auch in Eura ziehen gleich. Mit welchen Folgen? Ein Kontinent wächst an Menschen – nach der UN bis 2050 von 1.2 auf 2.5 Milliarden Menschen. Es wächst jedoch viel zuwenig an Teilhabe am Wohlstand. Er wird runtergewirtschaftet, er wird ausverkauft, geplündert. Welchen Sinn verspricht man sich? Die Wirkungen sind immer mehr spürbar: Menschen fliehen davor. Bereits heute viel zu viele Menschen. Im September wurden an einem einzigen Tag 7’000 und am 3. und 4. Oktober 2016 10’000 Menschen, darunter 37 Tote, aus havarierten Booten auf dem Mittelmeer geborgen. Auch im November ist dies nicht abgebrochen. Solche Bergungen sind sehr hart, belastend und gefährlich. Eine Parceforceleistung, die nicht jeden Tag geleistet werden kann …und darf. Endlich nun spricht man etwas ernsthafter vom „Masterplan für Afrik„. Spannendes Mind-opening-Thema! Partnerschaft mit Afrik – auf allen Ebenen: wirtschaftlich, sozial, politisch. MASTERPLAN! Konkret. Bestimmt. Sorgfältig. Um neue Leaders und Entrepreneurs in Afrik für Afrik zu schaffen. Auf dem unterschätzten Kontinent. Investieren in die Zukunft von Menschen statt in Zäune und Mauern. Investieren in Bildung, Studentenaustausch, in Selbstmobilisierung und Selbstermächtigung, in Ressourcenveredelung vor Ort, in Rechtssicherheit, Eigentumsschutz, in Demokratie, good governance und damit in institutionelle Stabilität, Balance und Resilienz in Einem. Und, und … Ebend: Impact-MASTERPLAN. Wie schrieb es erst kürzlich die Kulturanthropologin Aleida Assmann: „Das Projekt Europa steht derzeit auf der Kippe. Ob es zerbricht oder an den neuen Herausforderungen wächst, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Europäer die zukunftsweisenden Werte ihrer historischen Erinnerung [Anm.: Freiheit statt Zwang, Friede statt Krieg] wachhalten und bereit sind, den europäischen Traum mit Nichteuropäern zu teilen. Das Projekt Europa ist eine unabgeschlossene Geschichte, die immer wieder weitererzählt werden muss, und das gilt besonders jetzt, da diese Geschichte eine neue Wendung nimmt.“[65] Das Teilen des europäischen Traums – „ein Kulturgut von höchster Bedeutung und ungebrochener Aktualität“ – hängt also auch von dessen Fortschreibung in Afrik ab. Der gerühmt berühmte „Amerikanische Traum“ erzählt Geschichten von der Dominanz von Individualismus, Egoismus und Konkurrenz, und immer mehr von dessen Scheitern als zukunftsfeste Idee. Der „Europäische Traum“ erzählt jedoch von Solidarität, Nachhaltiger Entwicklung und Kooperation. (Siehe dazu auch Conclusion II: „Dünn ist das Eis geworden. – Doch der Leitstern für unsere Zukunft bleibt der ‚Europäische Traum'“) Die Bundeskanzlerin und Analytikerin „Mamma M“ hat die Abhängigkeit des europäischen Traums vom Schicksal Afriks begriffen. Während die einen das destruktive Gebrüll fortsetzen, macht sie zu deren Erstaunen eine Aufwartung in Krisen- und Transitländern wie Mal, Nigr, Nigria. Ein (Neu-)Anfang ist gemacht. Es ist zu hoffen, dass es nicht dabei bleibt. Vielmehr müsste das Motto lauten: Kein Plänchen. Nein. MASTERPLAN! Dies kostet Geld, Zeit, Geduld. „Ohne Wunden ist Erfolg nicht zu haben“ (Seibt [66] ). Und mittendrin im Afrik-Projekt: Eura. Schritt um Schritt macht sie sich frei vor ihren inneren Zwängen. Vielleicht macht sie sich vermehrt aussen nützlich, um wieder zu lernen, was sie im Innern braucht. Manch ein Talent muss auch in der Ferne tätig sein, um mit aufgeladenen Batterien und einem Strauss an neuen Ideen die Heimat wieder „heimzusuchen“.

Schauen wir nochmals nach Syr. Zerbombt, zermanscht. Und doch. Welch ein Widerstand! „Die Macht des Sinnhaften“ stellt sich dem Wahnsinn entgegen. Freiwillige trotzen Ass. Sie trotzen dem Putt. Sie trotzen den Radikals. Sie, das sind die politisch neutralen „White Helmets“. Männer und Frauen wie die anderen Syr auch, wie auch wir Kriegsverschonten. In einem unterscheiden sie sich: Sie stecken einen weissen Helm auf ihren Kopf, und riskieren diesen. Um jene zu retten, die in den zerbombten Häusern verschüttet sind, dort wo keine zivile Infrastrukturen mehr vorhanden sind. Sie bringen sie in die wieder aufgebauten Spitäler, die von Ass und Putt immer wieder beschossen werden. Und doch – Es ist wie ein Angriff der Würde auf den Wahnsinn: Sie hören nicht auf damit. Und erstaunlich auch dies: Sie werden immer mehr. Über 3’000 sollen es heute sein. Was für eine Macht sie in sich tragen! Was für eine Macht, die sie durch ihre Taten in die Welt hinaustragen! Den Alternativen Nobelpreis haben sie bereits verliehen bekommen. Nominiert waren sie auch für den offiziellen, den dann 2016 der kolumbianische Friedenspräsident Juan Manuel Santos bekam. Trotzdem: Nobel hätte wohl Tränen in den Augen, vergegenwärtigte er sich, welch ein Risiko diese freiwilligen „syrischen Zivilschützer“, ohne Waffen und ohne Schutzanzüge, auf sich nehmen. Viele, mehr als hundert, sind dabei auch gestorben. Während man in Dütsch vor Pegida und AfD Angst hat, in Ö vor den Strachs und Hofs, in Switz vor Glar und Knüppl, und so weiter, setzen sie sich die Helme auf und graben in den Trümmern, während über ihren Köpfen geschossen und gebombt wird. Man sieht diese Bilder, man sieht ihre Entschlossenheit, man ahnt ihren Kampf um ihre Würde. Es bewegt. Es schüttelt. Im Guten. Man spürt jene – urmenschliche – Macht, wie sie in einen eindringen will. Ja doch: Herzlich willkommen! Feuerwehrleute und Sanitäter, aber auch Menschen, die vor dem Krieg Studenten, Verkäufer, Bäcker, Ingenieure, Schneider, Möbelschreiner waren, sie tragen dieses Weiss auf ihrem Haupt und helfen – bis jetzt sollen sie 60’000 Menschen gerettet haben (!). Retten sie auch etwas von dem … was Eura im Kern ausmacht? So lese ich den Satz des Schauspielers Fred Rogers aus Amerik aus den 1950ern: „Wenn ich als Kind in den Nachrichten beängstigende Situationen sah, sagte meine Mutter zu mir: ‚Such nach den Helfern. Du wirst immer Menschen finden, die helfen.‘“ Dieser Satz lässt sich vielfältig verstehen. Er macht auch Hoffnung für jene Zeit in der Zukunft in Syr: Mit der Mentalität der Weisshelme und ihrer Idee des demokratischen Aufbaus lässt sich auch ein zerbombtes Aleppo wieder aufbauen, und eine solidarische Gesellschaft.

Mit diesen „Weissen Helmen“ im Kopf möchte ich diesen Artikel beschliessen. Als eines der Symbole für die „Macht des Sinnhaften“, in welcher noch soviel Unentdecktes verborgen scheint, das an die Oberfläche, ins reale Leben müsste. Gerade jetzt.

*****

Wie weit und ob dieser Blog eine Fortsetzung findet, wird sich erst noch herausstellen.
Ich werde mich persönlich verstärkt jenem widmen wollen, das etwas vom noch Unentdeckten in der „Macht des Sinnhaften“ ausfindig machen soll.

Mit meinem langjährigen Weggefährten Christian Kruse, mit seiner Familie und seinen Freunden, mit meinen Freunden und Bekannten, mit unseren Netzwerken und allen noch Kennenzulernenden werden wir ein „Projekt für 1000 Projekte“ lancieren:

„1000impacts – a brand for humanity“.

Bescheiden soll es beginnen. Aber wie der Name sagt, nicht ohne Ambition: Viele Projekte sollen es werden. Kleinere und grössere. Unscheinbarere und auffallendere. Stille und freche. Projekte, die eines zum Ziel haben: Wirkungen – social impacts – zu erzielen. Diese Projekte werden sich jener Macht bedienen, die sie gleichzeitig auch stimulieren sollen: die „Macht des Sinnhaften“, die Macht, die in den Menschen selbst steckt.

Der Deutsch-Grieche Kruse zitiert den Altgriechen Sokrates (469-399 v. Chr.), als lohnenswertes Motto für „1000impacts“:
„Der Schlüssel zum Wandel liegt darin, all seine Energie zu fokussieren, nicht darauf, das Alte zu bekämpfen, sondern darauf, Neues zu erschaffen.“

[Wer sich für „1000impacts“ interessiert, soll sich per Kommentar zu diesem Artikel anmelden. Zu gegebener Zeit können wir mehr berichten und aufzeigen, wie man sich konkret selbst einbringen kann.]

 

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Die Spendenkonti:

KHORA (LISKA Bernet et al.):
Social center in Athen. Khora is a co-operative foundation, based in Greece. We offer ongoing compassionate support for refugees in Athens.
Kontoname: Khora
PC-Konto 91-974246-8
IBAN: CH5609000000919742468
BIC: POFICHBEXXX
euroSIC Clearing Nr.: 090002
Bank: PostFinance AG Mingerstrasse 20 3030 Bern
Website: KHORA

borderfree association (VANJA Crnojević et al.):
Unterstützt Flüchtende direkt in Camps in Griechenland und Serbien.
CHF Konto – IBAN: CH71 0900 0000 6159 3305
EUR Konto – IBAN: CH58 0900 0000 9155 0838 2
BIC: POFICHBEXXX
borderfree association, Zentralstrasse 156, CH-8003 Zürich
Website: borderfree association

The Voice of Thousands (Michael GROSI Grossenbacher et al.)
Unterstützt ausgewählte Flüchtende direkt in Camps in Griechenland und anderswo.
PC-Konto: 89-869498-8
IBAN: CH85 0900 0000 8986 9498 3
The Voice Of Thousands, Eidmattstrasse 2, 8032 Zürich
Website: Verein The Voice of Thousands 

schwizerchrüz.ch (MICHAEL Räber et al.)
Unterstützt Flüchtende (Community building) direkt in Camps in Griechenland und in der Türkei, und Hilfelesitung auf Lesbos.
Migrosbank 8010 Zürich Mülligen
IBAN CH11 0840 1000 0592 3559 4
Auf den Namen: Rahel Räber, Effingerstr. 17, 3629 Kiesen, Schweiz.
(BIC/SWIFT MIGRCHZZXXX, ClearingNr/Bankleitzahl 8401)
Website: schwizerchrüz.ch

Save Assist Outreach – Frauen für Frauen auf der Flucht (RAQUEL Herzog et al.)
SAO sorgt für Wetterreporte, sichere Bootsankünfte, ein grosses Warenlager auf Lesbos, Kindernahrung, für Rückkehr für im Zielland angekommene Frauen ins Studium.
Spenden-Button auf website (nur Paypal)
oder
Raiffeisenbank Würenlos
IBAN CH34 8074 7000 0021 0307 7
BIC RAIFCH2274
Kto. von SAO Save Assist Outreach
Website: SAO Save Assist Outreach

Verein Fair (CYRIL Romann et al.)
Unterstützt Flüchtende direkt in Griechenland, Serbien und der Türkei.
Kontoinhaber: FAIR.
Adresse: Schlossstrasse 12, 2560 Nidau, Switzerland
Kto-Nr.: 60-729289-0
IBAN: CH65 0900 0000 6072 9289 0
Mitteilung: Direkthilfe
Website: Verein Fair

Ceriba – Soziale und Humanitäre Hilfe (SASH Wegmüller et al.)
Nach einer schöpferischen Pause wieder „on track“: Hilfseinsätze im Ausland (Griechenland, Balkan-Route), Online-Betreuung, Social Media Austauschplattform „MoveForLife“, …
CERIBA / 3000 Bern
Postkonto: 61-864758-2
IBAN CH29 0900 0000 6186 4758 2
BIC (SWIFT-Code) von PostFinance: POFICHBEXXX
Website (Facebook): Ceriba

 

[1] US-Präsident Barack Obama anlässlich seiner letzten Rede vor der UN-Vollversammlung am 20.9.2016 in New York.

[2] „Ich glaube an die Macht des Sinnhaften.“ Ich habe diesen Satz mit diesem Begriff 2007/2008 formuliert, eine Zeitlang benutzt, und irgendwie ist er dann in Vergessenheit geraten, bis ich ihn nun wiederentdeckt habe. Ich geh davon aus, auch wenn er mir konkret noch nicht begegnet ist, dass bereits andere einen solchen oder ähnlichen Begriff verwendet haben.

[3] „Europa als politische Idee“ von Herfried Münkler in Schweizer Monat 1040, Oktober 2016, zum Dossier „Europa. Zukunft eines Kontinents“

[4] Wolfram Eilenberger in „Das Ende der Lebenslüge“ als Teil des SPIEGEL-Projekts „Was tun? … 27 Philosophen beantworten die drängendsten Fragen zu einzelnen Aspekten von Migration und Integration“.

[5] Quelle: António Guterres, bis Anfangs 2016 UN-Hochkommissar für Flüchtlinge und im Oktober 2016 nominiert für als UN-Generalsekretär, in einem TED-Interview im Dez. 2015.

[6] Jürgen Todenhöfer, Politiker, Publizist und Friedensaktivist, in der TV-Sendung „Maybrit Illner“ vom 15.9.2016 zum Thema „Waffenruhe in Syrien – Hoffnung auf Frieden?“

[7] UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in der „Generaldebatte“ vor der UN-Generalversammung in New York, 20.9.2016.

[8] Zitat von Kreml-Sprecher Dmitri Peskos, aus der Süddeutschen Zeitung vom 1.10.2016.

[9] Zitat von einem Mitarbeiter von „Médecins sans Frontiers“, bei einem Treffen von Vertretern von Hilfsorganisationen mit Bundestagsabgeordneten in Berlin, aus der Süddeutschen Zeitung vom 1.10.2016.

[10] Zitat vom Deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier am 30.9.2016.

[11] Der SPIEGEL vom 22.11.2016: „Aleppo wird ausgelöscht – und die Welt schaut zu.“

[12] Zitat der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, 19.9. 2016, anlässlich einer Pressekonferenz nach den Berliner Landeswahlen.

[13] Süddeutsche Zeitung (SD) vom 21. 9.2016, S. 2

[14] Aus der Süddeutschen Zeitung vom 17.10.2016: „Seehofer und Orbán feiern eine ‚in Europa einzigartige Waffenbrüderschaft'“

[15] Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 30.9.2016, S. 2: „Budapester Schauermärchen“.

[16] Aus der Süddeutschen Zeitung vom 17.10.2016: „Seehofer und Orbán feiern eine ‚in Europa einzigartige Waffenbrüderschaft'“

[17] Zitat vom luxemburgischen Aussenminister Jean Asselborn, 12.9.2016

[18] „Die Zeit des Postfaktischen“, wo Fakten, so seriös und unabhängig sie auch erhoben werden, nichts mehr zählen. Behauptung gegen Faktum, Gefühl gegen Wahrheit. Populisten, Autokraten verwenden das Postfaktische sehr gezielt und raffiniert: Auch wenn sie wissen, dass das Gesagte nur eine Halbwahrheit ist, eine Behauptung, eine Lüge, sie bringen diese trotzdem vor. Es steht Aussage gegen Aussage. Oder es wird auch mal halbherzig dementiert: „War nicht so gemeint“. Aber das Falsche steht im öffentlichen Raum, die (wachsende) Klientel hat es gehört, und aufgesogen. Ziel erreicht.

[19] Albrecht von Lucke, Politikwissenschafter und Publizist, z.B. in der ARD-Sendung „Maischberger“ am 22.9.2016

[20] Zitat Viktor Orbán, 8.9.2016

[21] Michael Räber im Gespräch bei „Markus Lanz“, ZDF, 25.8.2016 erzählt „Europa bestellt, die Türkei liefert“ / „Europa bestellt, die Griechenland liefert“ / „Europa bestellt, Mazedonien liefert“

[22] „Grenze zwischen Syrien und Türkei – Der Todesstreifen“, Bericht aus dem Grenzgebiet von Riham Alkoussa und Maximilian Popp, auf SPIEGEL ONLINE vom 30.11.2016.

[23] Achilles M. Peklaris von „schwizerchruez.ch“ beim Einsatz in Torbali, bei Izmir, Türkei. 13.9.2016. Quelle: Facebook.

[24] Der SPIEGEL ONLINE vom 28.11.2016: „Flüchtlingsdeal mit der Türkei. – Plan B? Fehlanzeige.“ Von Markus Becker, Maximillian Popp und Anna Reimann, aus Brüssel, Izmir und Berlin.

[25] Gemäss Aussagen von Michael Räber im Gespräch bei „Markus Lanz“, ZDF, 25.8.2016

[26] Der „Geist von Bratislava“ wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident François Hollande, bei gleichzeitigem Protest des Ministerpräsidenten Matteo Renzi, anlässlich des ersten EU-Gipfels ohne die Briten am 16.9.2016 im slowakischen Bratislava in die öffentliche Wahrnehmung einzubringen versucht.

[27] Zitat von Rumjana Batschwarowa, Innenministerin Bulgariens, u.a. in der NZZ vom 7.10.2016.

[28] NZZ vom 7.10.2016, von Markus Bernath, Athen.

[29] Dimitris Avramopoulos, EU-Innenminister, aus der NZZ vom 7.10.2016.

[30] „De Maizière will Flüchtlinge nach Griechenland abschieben“, Manuel Bewarder, http://www.welt.de vom 4.9.2016.

[31] Quelle: Are You Syrious (AYS), ays-news digest vom 2.12.2016

[32] Quelle: Are You Syrious (AYS), ays-news digest vom 11.10.2016

[33] Quelle: Are You Syrious (AYS), ays-news digest vom 24.11.2016

[34] Leitartikel von Peter Rásonyi in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 12.11.2016: „Trump ist überall.“

[35] Wikipedia zu „Paul Grüninger“

[36] Zitiert aus: „Europa als politische Idee“ von Herfried Münkler in Schweizer Monat 1040, Oktober 2016, zum Dossier „Europa. Zukunft eines Kontinents“

[37] Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 25.11.2016, im Artikel „Verzweifelte Flucht vor dem Krieg“

[38] Rzgar Abed von der kurdischen Hilfsorganisation BCF im „Heute Journal“ im ZDF vom 6.10.2016.

[39] Claus Kleber, Moderator des „Heute Journal“ im ZDF, am 7.10.2016

[40] Kommentar von Rolf-Dieter Krause, Brüssel-Korrespondent des ARD/WDR.

[41] Zitat von Nicolas Hénin aus dem Buch „La France russe“. Quelle: NZZ vom 25.11.2016

[42] „Child refugees forced to work for nothing aftre leaving Calais“ von Mark Townsend, im The Guardian vom 19.11.2016.

[43] Quelle: The Huffington Post, vom 24.10.2016

[44] Zitat vom Politikwissenschafter Claus Leggewie im „Heute Journal“ im ZDF vom 6.10.2016.

[45] Quelle: Najem Wali in „Gefangen zwischen Hoffnung und Wut“, die Süddeutsche Zeitung vom 10.8.2016

[46] Quelle: Joseph Croitoru, „Das Ende des Kemalismus naht.“ Gastkommentar in der NZZ vom 22.9.2016

[47] Eine Formulierung von Aleida Assmann im Artikel „Der europäische Traum“ im „Schweizer Monat“ 1040, Oktober 2016, zum Dossier „Europa. Zukunft eines Kontinents“

[48] Kommentar von Claus Kleber, Moderator des „Heute Journal“ im ZDF, 25.8.2016

[49] Zitat vom Politikwissenschafter Claus Leggewie im „Heute Journal“ im ZDF vom 6.10.2016.

[50] Düzen Tekkal: „Deutschland ist bedroht. Warum wir unsere Werte verteidigen müssen.“ Berlin Verlag, 2016.

[51] Kommentar von Rolf-Dieter Krause, Brüssel-Korrespondent des ARD/WDR.

[52] Zitat Michael Räber im Livestream von „schwizerchrüz.ch“, 16.7.2016

[53] Auszug aus dem Erfahrungsbericht von Sandro, Volunteer bei der Borderfree Association in Petra, Griechenland, schickt nach seiner Rückkehr diesen Bericht. Quelle: Borderfree Association auf Facebook, 12.9.2016.

[54] Sandra, Volunteer bei der Borderfree Association in Petra, Griechenland, mit ihren Worten. Quelle: Borderfree Association auf Facebook, 2.9.2016.

[55] Bericht von Irina Janser, Volunteer bei Borderfree Association im Camp Petra, 29.9.2016

[56] Patrick Schellenberg, im Beitrag „Die Aktivistin“ in der Sendereihe „Reporter“ vom 4.12.2016 im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

[57] Post auf der Facebook-Seite von „KHORA“, vom 21.11.2016

[58] Diskussionssendung „Markus Lanz“, ZDF, 25.8.2016

[59] „Moment der Klarheit“, so war das 2.-prämierte Projekt von Thomas Friberg im Rahmen der „Denk-Allmend“ für den Flugplatz Dübendorf (bei Zürich) übertitelt. Es wurde zu einer der wichtigsten Botschaften des „Think-Tank-der-Gesellschaft“-Projektes: Nicht nur Individuen, nein auch Gesellschaften benötigen immer wieder „Momente der Klarheit“. Diese fallen einem manchmal einfach so zu, des Öfteren muss man sich jedoch darum bemühen.

[60] Aus der NZZ vom 6.10.2016, einer Buchbesprechung von Wolfgang Taus, in der Rubrik „Politische Literatur“.

[61] Das Zitat, eine Art Refrain, stammt vom Kabarettist Hagen Rether in seinem Programm „Liebe (Update 2016)“ anlässlich des 3Sat-Festivals, ausgestrahlt am 1.10.2016.

[62] „Es ist die Kultur, Dummkopf!“ von Michael Thumann in ZEIT ONLINE., in der Rubrik „Fünf vor 8:00“ vom 25.11.2016

[63] Philip Löpfe und Oliver Fiechter im Buch „Aufstieg der Stammesgesellschaft“, aus Tages-Anzeiger vom 19.9.2016.

[64] „Ausweg aus dem Dublin-Dilemma“, ein Gastkommentar von Stefan Egli, David Kaufmann, Philipp Lutz und Anna Stünzi vom aussenpolitischen Think-Tanks «foraus», in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 25.11.2016 in der Rubrik „Was läuft falsch?“

[65] Worte von Aleida Assmann im Artikel „Der europäische Traum“ im Schweizer Monat 1040, Oktober 2016, zum Dossier „Europa. Zukunft eines Kontinents“

[66] Constantin Seibt in seinem Artikel „Warum die Globalisierungskritik siegt“ im Tages-Anzeiger vom 14.9.2016

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “DIE MACHT DES SINNHAFTEN – Die Geschichte von EURA, der Schönen

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