Die Flüchtlinge und wir

Migration, Kriegsflüchlinge, Wirtschaftsflüchtlinge beschäftigt unsere Gemüter, Kopf und Bauch, unsere Gedanken an die Zukunft. Migration ist grundsätzlich Ausdruck von Zivilisation. Der homo sapiens wanderte aus Afrika aus, entdeckte Europa, vermischte sich mit dem homo neandertalensis, zog mit gemischten Genomen weiter, nach Asien, über Kamtschatka in Ostsibirien nach Alaska, von wo der amerikanische Kontinent erobert wurde. Es bildeten sich dann Völker, die sesshaft blieben. Sie richteten sich ein, am neuen Ort ihres Lebens. Über Generationen hinweg.

Not aus Hunger, Dürre, Landauszehrung oder Kriege trieb manche in die Flucht. So auch heute. So auch morgen. Was wir in Europa heute erleben, ist erst der Anfang. Mit den wachsenden Folgen des Klimawandels werden noch viel Menschen in die Flucht getrieben. Menschen, die bleiben wollen, aber weg müssen. Eine zusätzliche Kategorie ist bereits entstanden: Klimaflüchtlinge.

Wie sollen WIR damit umgehen, wir die in Europa leben, hoffentlich weiterhin ohne Krieg. Auch wenn die Ukrainekrise bereits auch ein europäischer Krieg ist. Was müssen wir umdenken, um mit der Migration in neuer Dimension umzugehen? Was müssen wir anpassen, dass weniger Menschen in die Flucht getrieben werden? Denn wer mit kriegstreibenden Ländern wie Saudi-Arabien, Iran, der Türkei oder Russland Geschäfte macht, der ist Teil der Problemverursachung, nicht nur „Opfer“ grösserer Flüchtlingsbewegungen. Wer zuwenig rasch die fossilen Brennstoffe nicht mehr fördert und verbrennt, der ist die massgebende driving force, dass Klimaflüchtlinge entstehen.

ÜBER GRENZEN HINWEG – DIE FLÜCHTLINGE UND WIR ist das Thema dieses Blogs. Mit den einleitenden Worten wird ersichtlich, dass es nicht nur um physische Grenzen geht, Grenzen der Nationalstaaten, Grenzen des Schengenraums, die mit Frontex zu sichern versucht werden. Beim Migration geht es auch um Grenzen in unseren Köpfen, um Grenzen des Verstehen-Wollens,

 

 

Ich habe mich Michael Räber, einem privaten, völlig unabhängigen Helfer und seinem Team in wechselnder Zusammensetzung angeschlossen, um in Lesbos da einzuspringen, wo es noch an Hilfe mangelt. „In die Lücke springen“, ist Michaels eine Devise. Die andere: vorauszuschauen, was in den nächsten Monaten zu tun sein und woran es fehlen könnte, wenn es keine ‚Lückenbüsser‘ gibt. – Mehr zu Michael als dem spiritus rector dann in einem der Blogbeiträge.

Ich selbst weile vom 7. Dezember 2015 bis 3. Januar 2016 auf Lesbos, um als Teil des Teams anzupacken, gerade dort, wo es etwas anzupacken gibt. Zudem schlüpfte ich rasch in die Rolle eines embedded Fotografen. Die entstehenden Fotos und der ausdrückliche Wunsch von Freunden und Bekannten, ich solle meine Whatsapp-News als Blog publizieren, haben mich letztlich dazu bewogen, diesen Blog zu schaffen.

Mit diesem möchte ich Interessierte wissen lassen, wie die Situation an einem jener Orte ist, wo viele Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, aus dem Irak, aus Afghanistan den Sprung nach Europa suchen, in dem sie sich alleine oder mit Kind und Kegel in überfüllten Booten aufs Meer wagen. Ich möchte Euch Einblick geben, was mit uns als freiwilligen Unterstützern so durch den Kopf geht, wie es sich anfühlt, direkt dran zu sein, an der Bewegung von Menschen von ihrer Heimat in die Ungewissheit der Zukunft.

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